Da die Lebenshaltungskosten im Zuge des Nahostkriegs voraussichtlich deutlich steigen werden, wollen die Grünen-Chefs für bezahlbare Verkehrsmittel in Deutschland sorgen, indem sie die Kosten für das Deutschlandticket auf neun Euro pro Monat senken. Wie wahrscheinlich ist das?
Da die Gaspreise in Deutschland kürzlich in die Höhe geschossen sind und eine Inflationswelle als Folge des Iran-Krieges erwartet wird, bemühen sich die deutschen Politiker darum, Maßnahmen zu finden, die einige Preisschocks für die Wähler abfedern könnten.
Das Beste, was die Bundesregierung bisher geschafft hat, bestand darin, Tankstellen daran zu hindern, die Preise mehr als einmal pro Tag zu erhöhen, und außerdem über eine unerwartete Steuer auf Ölgewinne nachzudenken.
Unterdessen gehen die Grünen-Chefs noch einen Schritt weiter: Sie schlagen die Rückkehr des „9-Euro-Tickets“ vor.
Steuergewinne – Verbraucher entlasten
„Es ist absolut richtig, zu verhindern, dass Ölkonzerne eine schwierige Situation als Vorwand nutzen, um sich auf Kosten unserer Bürger zu bereichern“, sagte Katrin Eder, die als Spitzenkandidatin der Grünen in Rheinland-Pfalz kandidierte, in einer E-Mail gegenüber The Local.
Sie fügte hinzu, dass die Begrenzung der Preiserhöhungen richtig sei, da die Unternehmen durch die jüngsten Preiserhöhungen bereits „ihre Taschen gefüllt“ hätten.
„Deshalb brauchen wir dringend eine Gewinnsteuer, um dieses Unternehmensverhalten zu bestrafen. Mit den zusätzlichen Einnahmen können wir das 9-Euro-Ticket finanzieren“, sagte Eder. „So können wir die Verbraucher entlasten und einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben.“
Katrin Eder, rheinland-pfälzische Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität und Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Foto: picture Alliance/dpa | Uwe Anspach
Eders Idee wird von anderen Mitgliedern ihrer Partei unterstützt, auch auf Bundesebene. In einem kürzlich in den sozialen Medien geteilten Video schloss sich Grünen-Co-Vorsitzende Ricarda Lang Eders Vorschlag an und nannte das 9-Euro-Ticket die „beste Idee der (bisherigen) Ampelregierung“.
Die Grünen verlieren Stimmen in Rheinland-Pfalz
Leider konnte Eders Wahlkampf bei den jüngsten Landtagswahlen das Blatt für ihre Partei nicht wenden.
Die Grünen erreichten am Sonntag in Rheinland-Pfalz 7,9 Prozent der Stimmen, 1,4 Prozent weniger als bei der letzten Wahl und liegen damit auf Platz 4 hinter den Christdemokraten (CDU), den Sozialdemokraten (SPD) und der Alternative für Deutschland (AfD).
Faktisch haben die Grünen ihren Platz in der Koalitionsregierung des Landes verloren, die wie auch auf Bundesebene auf eine schwarz-rote (CDU-SPD) Umstellung abzielt.
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Wie wahrscheinlich ist die Rückkehr des 9-Euro-Tickets?
In einer Anfang des Monats veröffentlichten Stellungnahme forderte Eder die Spitzen der schwarz-roten Parteien in Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU), auf, sich in ihren eigenen Parteien für die Rückkehr des 9-Euro-Tickets einzusetzen.
„Nur die Bundesregierung kann eine Steuer auf überschüssige Gewinne einführen“, sagte sie gegenüber The Local. Deshalb müsste der Vorschlag aus den Reihen der Bundesführer in SPD und CDU/CSU kommen, um eine Chance auf eine Umsetzung zu haben.
„Wir Grünen haben das 9-Euro-Ticket bereits einmal erfolgreich umgesetzt. Was fehlt, ist der politische Wille in der Bundesregierung aus SPD und CDU/CSU“, sagte Eder.
63-Euro-Ticket, Tendenz steigend
Das 9-Euro-Ticket war eingeführt im Juni 2022war aber nur von kurzer Dauer und dauerte nur drei Monate.
Im Mai 2023 wurde das Deutschlandticket auf Basis des 9-Euro-Ticketmodells eingeführt, der Preis wurde jedoch auf 49 Euro pro Monat angepasst. Ab Anfang 2025 wurde der Preis dann erneut auf 58 Euro pro Monat angehoben und schließlich Anfang 2026 auf 63 Euro pro Monat festgelegt.
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Das bundesweite Abonnement ist aufgrund seiner Bequemlichkeit und Erschwinglichkeit bei Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel in ganz Deutschland sehr beliebt.
Nach Angaben der Bundesregierung gemeldet von Heise OnlineIm Jahr 2025 wurden mehr Monatsabonnements erworben als in den beiden Vorjahren.
Doch trotz seiner Beliebtheit wird das Deutschlandticket-Abo in der aktuellen Bundesspitze vor allem als finanzielle Belastung diskutiert.
Da Bundeskanzler Friedrich Merz nun die Federführung für große Sozialreformen in einem angeblichen Bemühen um Kostensenkung übernimmt, scheint es wahrscheinlicher, dass die Regierung unter seiner Führung den monatlichen Preis des Deutschlandtickets erhöhen als senken könnte.
Der Deutsche Bahn-Fahrgastverband (DBV) hat errechnet, dass die Aufrechterhaltung des Deutschlandtickets zum aktuellen Preis den Staat lediglich 17,56 Euro pro Person und Ticket kostet. Im Vergleich dazu beträgt die staatliche Förderung für ein einzelnes Elektroauto mindestens 3.000 Euro, ein Betrag, mit dem sich theoretisch ein Deutschlandticket für über 170 Jahre finanzieren ließe.









