Promis aus Thailand werden für Luxusmodelabels immer wichtiger. Eine dieser Berühmtheiten ist Becky Patricia Armstrong. Ihre Reichweite ist riesig, und ihre Fans folgen ihr fanatisch. Was hat es mit dem Hype auf sich?
Ein völlig neues Universum geht auf, wenn man in die Welt von Rebecca Patricia Armstrong eintaucht. Ihnen sagt der Name nichts? Das liegt daran, dass die 22-jährige Sängerin und Schauspielerin vor allem im südostasiatischen Raum bekannt ist. Dort dafür richtig. Auf Instagram verfolgen 4,3 Millionen Fans beinahe fanatisch ihren Alltag.
Schon als kleines Mädchen träumte Becky, wie die 22-Jährige von ihren Fans genannt wird, davon, erfolgreiche Entertainerin zu werden. Ungefähr so wie ihr Vorbild Taylor Swift. Mit dreizehn Jahren machte sie bei der Casting-Show «Thailand’s Got Talent» mit – ohne Erfolg. Der internationale Durchbruch kam 2022. Die thailändisch-britische Schauspielerin erhielt eine der beiden Hauptrollen in der thailändischen Serie «Gap: The Series». Die Dramaserie erzählt die Liebesgeschichte zwischen Khun (Freen Sarocha), einer gefühlskalten CEO, und der bei ihr neu eingestellten Mon, gespielt von Rebecca Patricia Armstrong.
«Girls’ love»: Ein Genre, das gleichgeschlechtliche Beziehungen ins Zentrum rückt
«Gap» ist die erste thailändische Serie des Genres «girls’ love», kurz GL. Dieses fokussiert auf Liebesbeziehungen zwischen zwei Frauen, die mit Themen wie gesellschaftlichem Druck, Erwartungen der Familie und Schwierigkeiten des Coming-outs aufgeladen werden. Schon länger als GL ist das Genre «boys’ love» im Mainstream Thailands angekommen. Dieses funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nur eben mit Männern in der Hauptrolle.
«Boys’ love» geht auf japanische Mangas der siebziger Jahre zurück, in denen homosexuelle Paare gezeigt wurden. Schliesslich entdeckten thailändische Produktionsfirmen ihr Potenzial für das Fernsehen. In den 2010er Jahren das erste Mal im Mainstream angekommen, fällt mittlerweile die Hälfte aller in Thailand produzierten Serien in diese beiden Genres. BL und GL sind zum popkulturellen Phänomen avanciert.
Ausschlaggebend für den Erfolg der BL- und GL-Serien ist auch die «shipping culture». So wünschen sich Fans, dass Schauspielerinnen und Schauspieler, die in den Serien Paare spielen, auch im echten Leben zusammenkommen. In den sozialen Netzwerken posten Fans etwa zusammengeschnittene Videos, die darauf anspielen, dass gewisse Schauspieler sich im echten Leben daten. Auch von den beiden «Gap»-Hauptdarstellerinnen kursieren Tausende Videos mit dem Hashtag #FreenBecky online.
Da die Stars aus den Serien neben der Schauspielerei oft als Sängerinnen performen, löste das zudem einen Anstieg der T-Pop-Musik aus. Lösen Stars aus Thailand bald die K-Pop-Idole aus Südkorea ab?
Die Reichweite von Thai-Stars ist gigantisch
Die Reichweite von thailändischen Pop-Stars ist gigantisch. Dafür setzt die Unterhaltungsindustrie des asiatischen Königreichs bewusst darauf, zwischen den Berühmtheiten und den Fans eine Verbindung aufzubauen. So sind die Sängerinnen und Schauspieler konstant unterwegs, performen in Malls, reagieren auf Nachrichten und Kommentare in den sozialen Netzwerken und veranstalten Fan-Meetings.
Tatsächlich entsteht so eine Art Beziehung, die Fangemeinden sind wahnsinnig engagiert. Davon wollen die Marken profitieren. Chanel etwa lud Rebecca Patricia Armstrong dieses Frühjahr an die Paris Fashion Week ein. Die Schauspielerin verhalf der Pariser Maison laut Vogue zu einem Medienwert – dem monetären Wert der Medienaufmerksamkeit und Berichterstattung über eine Marke – von knapp 50 Millionen Dollar.
Ihre Kollegin Freen Sarocha generierte für Maison Valentino sogar beinahe 70 Millionen Dollar. Das ist laut Launchmetrics, einem Daten- und Technologieunternehmen im Lifestyle-Segment, doppelt so viel Medien-Impact wie vergleichsweise jener der amerikanischen Rapperin Doechii, der man gerade nicht entkommt.
Markenbotschafterinnen aus Thailand werden für Labels im Luxussegment immer wichtiger. Denn das Land gilt als aufstrebender Markt für exklusive Marken. Erst im Dezember eröffnete Dior in Bangkok den «Gold House»- Concept-Store, der komplett mit goldenen Mosaiksteinen verkleidet ist. Auch ausserhalb der Hauptstadt expandieren die Luxuslabels. Prada etwa eröffnete Ende letzten Jahres eine Boutique in Phuket. Zum Eröffnungsevent eingeladen wurden selbstverständlich Freen Sarocha und Becky Patricia Armstrong.