Ob auf dem Weg zur Arbeit, beim Mittagsspaziergang oder als Tagesziel für den Samstag: Diese neuen Adressen in Zürich servieren Spezialitätenkaffee – und darüber hinaus schwedische Buns, italienische Panini und Einrichtungsinspiration.
Eine Gruppe junger Leute steht im Zürcher Niederdorf, jede Person posiert einzeln auf der Kreuzung Marktgasse/Münstergasse. Man denkt kurz an die Condomeria, doch nein – fotografiert wird das kleine, gelbe Kaffeelokal. Wobei: Kaffeefenster trifft’s besser. Das neue «Rare Street Coffee» im ehemaligen Ecklokal der Saftbar zieht Aufmerksamkeit auf sich; durch namhafte Supporter aus der Gastro-Szene auf Social Media, analog durch sein auffälliges Äusseres und die verführerisch aussehenden Cookies und Buns im Schaufenster. Und vielleicht auch, weil «Rare Street Coffee» längst einen guten Ruf rund um den Zürichsee geniesst.
Das Stammlokal in Rapperswil-Jona – eine Kaffeebar in einer ehemaligen Tankstelle – gehört selbst für Nenad Mlinarevic zum Pflichtstopp, wenn der Spitzenkoch mit dem Rennvelo über den Pfannenstiel fährt. Nicht für den Kaffee, sondern für die schwedischen Cinnamon-Buns der «Rare Street Bakery».
Der Kaffee allerdings ist auch über die St. Galler Kantonsgrenze hinaus bekannt. Und das zu Recht: Der Cappuccino (faire Fr. 5.50) schmeckt kräftig, ausgewogen, mit feinen Röstaromen und leichter Säure, das Häubchen ist fluffig-sahnig. Vom üppigen Kardamom-Bun mit Vanille-Topping (10 Franken) erwischen wir den letzten – und verstehen den Hype: Er ist nicht zu süss, hat eine angenehme herbe Note durch den Kardamom und ist befriedigend chewy. Das Topping ist cremig und zitronig-frisch. Und so füllend wie ein Mittagessen.
Rare Street Coffee, Marktgasse 31, Zürich.
Text: Sonja Siegenthaler
Braucht das Seefeld noch ein teures Café? Wahrscheinlich nicht. Ist das im Februar 2025 an der Dufourstrasse eröffnete «Marmo» jetzt schon relativ gut besucht? Ja. Vielleicht liegt es daran, dass sich der hölzerne Tresen besonders schön mit dem mediterranen Schachbrettboden verträgt oder dass ab dem Mittag die Sonne direkt auf die leuchtend roten Aussensitzplätze scheint. Auch kulinarisch ist das Café in Italien angesiedelt, mit einem Angebot von Espresso, Macchiato und Co. (von Stoll Kaffee) bis Panini (etwa mit italienischem Prosciutto, Mozzarella und Rucola, 18 Franken).
Noch hat das «Marmo» nur bis 16 Uhr geöffnet, aber der Negroni auf der Karte lässt andere Absichten vermuten. Die aussen knusprigen und innen saftigen Chocolate-Chip-Cookies mit Tahini von der «Bear Street Bakery» beim Paradeplatz sind auch erhältlich, sind doch die Besitzer der beiden Lokale dieselben. So ist auch für die Tiktok- und Instagram-Crowd gesorgt, zusammen mit dem Matcha Latte (Fr. 8.50) und dem Avocado-Toast-Crostoni (auf sehr gutem, aber nicht sehr grossem Vollkornbrot, 16 Franken).
Café Marmo, Dufourstrasse 57, Zürich.
Text: Jana Schibli
Kaffee ist mehr als ein Wachmacher. Kaffee ist Kultur. Nur fehlte diese nach Meinung des «Coffee Addict»-Gründers Melih Celik in Zürich. Anlass genug, ein eigenes Café in der Limmatstadt zu eröffnen. Die Lokalität dafür fand er an der Bäckerstrasse in der Nähe des Stauffachers. In einem Quartier, das, was Kaffee angeht, tatsächlich noch Aufholbedarf hat.
Die Fläche des Geschäfts ist klein, die Einrichtung aufs Wesentliche fokussiert. An Kaffee-Auswahl mangelt es deshalb keinesfalls. Insgesamt sechs Grinder, gefüllt mit sechs unterschiedlichen Bohnen, stehen hinter dem Tresen. Von fruchtigen bis zu dunklen Röstaromen werden sämtliche Kaffeegelüste befriedigt.
Die Bohnen stammen von Röstereien aus der ganzen Welt. Da Celik stets auf der Suche nach dem noch besseren Kaffee ist, wechselt er die Sorten regelmässig aus. Konstant auf der Karte befindet sich der «Special One», sein persönlicher Liebling. Dieser stammt von der Rösterei Truth Coffee aus Kapstadt. Weil die Ladenfläche keine Sitzgelegenheit bietet, gibt es den Kaffee hier nur to go.
Coffee Addict, Bäckerstrasse 25, Zürich.
Text: Claude Menzi
Herzen, Tulpen, Rosetten – wer regelmässig Cappuccino trinkt, bekommt so manche schöne Latte-Art serviert. Aber einen so makellosen Schwan mit detailliertem Federkleid habe ich noch nie in einem Kaffee gesehen. Das scheint die Spezialität des Cafés am Platz zu sein, eines neuen Kaffeelokals gleich neben der Haltestelle der Buslinie 33 am Schaffhauserplatz. Der freundliche Barista zaubert auf jeden Cappuccino ein kleines Kunstwerk aus Milchschaum.
Im Schaufenster beschreibt das Café am Platz sein Angebot als Spezialitätenkaffee to go. Denn neben Cappuccino mit Schwänchenmotiv, Espresso und Matcha Latte stehen auch Besonderheiten wie ein Cortado, ein spanischer Kaffeeklassiker aus Espresso und heisser Milch, oder ein V60, ein speziell zubereiteter japanischer Filterkaffee, auf der Karte. Das Café ergänzt sein Kaffeesortiment laufend mit neuen Bohnen aus verschiedenen Röstereien, die vor Ort verkostet und für den Kaffeegenuss zu Hause gleich gekauft werden können.
Zwar gibt es aufgrund der beengten Platzverhältnisse keine Tische im Lokal, bei warmen Temperaturen laden die Sitzkissen auf der Treppe des Cafés aber dennoch zu einer kurzen Pause im Sitzen ein – währenddessen kann das bunte Treiben auf dem Schaffhauserplatz beobachtet werden. Ein urbaneres Kaffee-Erlebnis geht wohl kaum.
Café am Platz, Rotbuchstrasse 1, Zürich.
Text: Nina Fehr
Die meisten Gäste betreten dieses neue Café im Zürcher Kreis 4 – und zücken als Erstes gleich das Smartphone. Die Faszination für die massive, silberglänzende Theke scheint gross. Sie reflektiert das Umfeld, aber nur dezent. Sie zeichnet die Umrisse der Fotografierenden, ohne zu übertreiben. Ein schöner Hingucker. Und endlich mal wieder etwas Neues in der Welt der Cafés, sehen die Orte heute doch vielerorts oftmals gleich aus. Für das Interior-Design verantwortlich ist Robin Diego Schiltknecht von Archiculture. Ein Schmied aus Appenzell habe den Tresen gemacht, heisst es im «Tages-Anzeiger». Gastgeber sind Oliver Deilmann und Mazen Reda.
Den Cappuccino oder den Matcha Latte mit Kuh- oder Erbsenmilch trinkt man aus den hübschen Tassen des Zürcher Keramikstudios Roka, das Brunch-Angebot ist vielfältig – und die Cocktails ausgefallen. Ein idealer Ort, um samstagnachmittags zu verweilen, sich im Anblick der Metallwolke zu verlieren und das Aussen mal kurz zu vergessen.
Oko, Werdstrasse 54, Zürich.
Text: Lea Hagmann