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Startseite » Splitterbombe gegen Kinderspielplatz: Russland richtet ein Blutbad in Selenskis Heimatstadt an
Welt

Splitterbombe gegen Kinderspielplatz: Russland richtet ein Blutbad in Selenskis Heimatstadt an

MitarbeiterBy MitarbeiterApril 6, 2025
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Splitterbombe gegen Kinderspielplatz: Russland richtet ein Blutbad in Selenskis Heimatstadt an

Moskau behauptet, eine Versammlung von ukrainischen Kommandanten getroffen zu haben. Doch in Wirklichkeit hat Russland fast zwanzig Zivilisten getötet. Vieles deutet auf ein bewusst in Kauf genommenes Kriegsverbrechen hin.

Allen Friedensbeschwörungen zum Trotz geht Russland mit grösster Brutalität gegen die Ukraine vor. Dabei attackieren die Truppen Moskaus auch gezielt die Wohnbevölkerung oder nehmen zumindest ein Blutbad unter Zivilisten in Kauf. Ein besonders drastisches Beispiel ist der Raketenangriff auf eine Grünanlage mit Kinderspielplatz in der Grossstadt Kriwi Rih am frühen Freitagabend. Nach Angaben der ukrainischen Behörden kamen dabei neunzehn Personen ums Leben, unter ihnen neun Kinder. Das jüngste war erst drei Jahre alt, ein Bub, der sich mit seiner Grossmutter auf dem Heimweg vom Spielplatz befand. Dutzende weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

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Videoaufnahmen vom Ort der Tragödie, kurz nach der Explosion, zeigten verzweifelte Anwohner und hektische Versuche, den Opfern erste Hilfe zu leisten. Auf einem der Spielgeräte war eine Blutlache zu sehen.

Die Rakete richtete Schäden in einem auffallend grossen Umkreis an. Die Opfer lagen zum Teil mehrere Dutzend Meter auseinander, auch Autos und Bäume gerieten in Brand. Die betreffende Grünanlage befindet sich in einem Wohngebiet im Norden von Kriwi Rih und wird durch hohe Appartementblöcke begrenzt. Kriwi Rih, die Heimatstadt von Präsident Wolodimir Selenski, liegt rund 80 Kilometer von der Front entfernt, wird aber regelmässig zum Ziel russischer Angriffe.

Laut Moskau ein «hochpräziser Schlag»

Die Perfidie der jüngsten Attacke wird noch durch die zynischen Falschbehauptungen Moskaus und regimenaher Propagandisten gesteigert. Bei Vorfällen wie diesem sind die Hintergründe oft schwierig zu klären. Nicht immer lässt sich beweisen, dass die Wohnbevölkerung das Ziel eines Angriffs gewesen war. Manchmal kommen Zivilisten auch zu Schaden, weil sie von einer fehlgeleiteten ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen werden. Doch in diesem Fall gab das Putin-Regime sofort zu, hinter dem Angriff zu stehen. Man habe mit einem «hochpräzisen Schlag» eine Versammlung von Truppenkommandanten mit westlichen Militärberatern in einem Restaurant getroffen, teilte das Moskauer Verteidigungsministerium mit. Dabei seien bis zu 85 Offiziere und weitere Militärangehörige umgekommen.

Populäre russische Propaganda-Kanäle im Netzwerk Telegram, beispielsweise «Prigoschin» oder «Colonel Cassad», spannen den Faden weiter und behaupteten, beim fraglichen Restaurant habe es sich um das Lokal «Rosemarine» (früher «Magellan») gehandelt, das nur fünfzig Meter vom Kinderspielplatz entfernt ist. Sie suggerierten damit, dass die Zivilisten nur ein bedauerlicher «Kollateralschaden» seien, aber die Rakete völkerrechtskonform ein militärisches Ziel zerstört habe.

Als «Beleg» verbreiteten sie Aufnahmen eines zerstörten Gebäudes, doch in Wirklichkeit stammten diese von einem völlig anderen Angriff. Zur russischen Desinformationskampagne zählt auch die Verschwörungstheorie, dass die Ukrainer absichtlich keine Bilder vom zerstörten Restaurant zeigen würden, um den wahren Schaden zu vertuschen. In Tat und Wahrheit zeigten Bilder vom Schauplatz das Restaurant «Rosemarine» völlig intakt, unter anderem die untenstehende Aufnahme.

Dies veranlasste einen anderen Kreml-treuen Propagandisten zur unsinnigen These, der russische Schlag sei wohl so präzis auf den hinteren Teil des Lokals erfolgt, dass man an der vorderen Fassade keine Schäden erkennen könne. In Wirklichkeit lässt sich dies allein schon durch die Analyse von Videobildern vom Moment der Attacke widerlegen. Sie zeigen zweifelsfrei, dass die Rakete in erheblicher Distanz vom Restaurant explodierte.

Zwei Momente nach dem Raketeneinschlag: Screenshots aus dem Video eines Autofahrers zeigen zuerst den Lichtblitz der Explosion, danach eine Rauchsäule. Das angeblich getroffene Restaurant (rechte Bildhälfte, erkennbar an der Säulenvorhalle) ist Dutzende von Metern entfernt und bleibt intakt.

In dem Restaurant hatten sich zum fraglichen Zeitpunkt Gäste aufgehalten, aber über Militärpersonal ist nichts bekannt: An jenem Tag fand in dem Lokal ein Treffen von Vertretern der Kosmetikbranche statt.

Welchen Raketentyp die Russen einsetzten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau nicht mit. Laut ukrainischen Angaben handelte es sich um eine ballistische Rakete des Typs Iskander-M. Diese Kurzstreckenrakete hat eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern; der Angriff auf Kriwi Rih kann somit sowohl von den besetzten Territorien als auch von russischem Staatsgebiet aus erfolgt sein. Moderne westliche Abwehrsysteme wie Patriot oder Samp/T können solche Raketen abfangen, aber die Ukraine verfügt über zu wenig Systeme und Munition, um alle grossen Städte wirksam zu schützen.

Laut dem ukrainischen Militär setzten die Russen in Kriwi Rih einen Gefechtskopf mit Streumunition ein, also Munition, die aus Dutzenden von kleineren Bomben besteht und deshalb grossflächig wirkt. Auf den verfügbaren Videos ist die Mehrfach-Explosion solcher «Bomblets» nicht sichtbar. Dagegen passen die erkennbaren Schäden zu Iskander-Gefechtsköpfen, die mit Splitterbomben ausgestattet sind. Die Wohnblöcke in der Umgebung sind mit Hunderten von kleinen Einschlägen übersät. Russlands Generalität strebte offensichtlich eine grossflächige Zerstörung sogenannter «weicher» Ziele an – und dies in dichtbesiedeltem Gebiet. Der Angriff trägt damit klare Anzeichen eines Kriegsverbrechens.

Verärgerung über die USA

Vor allem westliche Regierungen und Botschaften, darunter die Schweizer Vertretung in Kiew, haben der Ukraine kondoliert und ihre Abscheu gegenüber dem russischen Angriff zum Ausdruck gebracht. Auffälligerweise unterliess es die Botschafterin der USA, Russland beim Namen zu nennen. So wirkte ihre Beileidsgeste – ähnlich wie viele Stellungnahmen der Administration Trump –, als wäre der Krieg eine Art Naturkatastrophe, für die es keine klaren Schuldigen gebe. Präsident Selenski reagierte pikiert und sprach von einer «schwachen Reaktion eines starken Landes».

Der Angriff auf Kriwi Rih sticht mit seiner hohen Zahl von getöteten Zivilisten heraus, aber der russische Terror aus der Luft ist eine alltägliche Erscheinung. In der Nacht auf Sonntag erlitten bei einem grossen Raketenangriff auf Kiew vier Personen Verletzungen, ein Mann tödliche. In mehreren Stadtvierteln brachen Feuer aus. Trauer herrscht auch in der zweitgrössten Stadt des Landes, Charkiw, wo Ende letzter Woche fünf Zivilisten bei russischen Drohnenangriffen umgekommen sind. Auch dort erlitten mehrere Kinder Verletzungen.

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