Sonderzeichen wie das Gendersternchen dürfen in Schulen und der Verwaltung in Bayern nicht verwendet werden. Das Kabinett hat am Dienstag einer entsprechenden Änderung zugestimmt.
Es ist das Aus für Sternchen, Unterstrich und Doppelpunkte. Wie angekündigt, haben Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder und die Minister seines Kabinetts das Gendern in Schulen, Hochschulen und Behörden verboten. Das ist am Dienstag beschlossen worden. Dafür wurde die Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern (AGO) geändert.
Bereits jetzt sind Behörden und Schulen dazu verpflichtet, im Schriftverkehr die Regeln der deutschen Rechtschreibung zu befolgen. Die AGO ist nun aber «klarstellend ergänzt» worden. Über disziplinarrechtliche Massnahmen im Fall eines oder mehrerer Verstösse werde man im jeweiligen Einzelfall entscheiden, sagte ein Sprecher des bayrischen Staatsministerium der NZZ. Dabei könnte eine Rolle spielen, ob ein Schreiben öffentlichkeitswirksam ist oder nicht oder ob die Gendersprache einmalig oder ständig verwendet wird.
Ausgenommen sind Universitätsprofessoren: Sie sind frei in ihrer Sprache. Im Hochschulinnovationsgesetz soll jedoch festgehalten werden, dass Studenten für das Nichtgendern keine Nachteile erhalten, wie etwa Punktabzug bei der Bewertung.
Der Chef der Staatskanzlei, Florian Herrmann, sagte am Dienstag: «Für uns ist die klare Botschaft: Sprache muss klar und verständlich sein.» Und das Verbot diene dazu, die Diskursräume in einer liberalen Gesellschaft offenzuhalten. Eine ideologisch geprägte Sprache habe dagegen eine exkludierende Wirkung.
Ministerpräsident Söder ist Gendergegner
Der CSU-Politiker betonte: «Klar ist, dass Lehrkräfte sich daran halten müssen.» Das beträfe den gesamten dienstlichen Schriftverkehr, die komplette interne Kommunikation und den Schulunterricht.
Der CSU-Chef Markus Söder ist ein Gegner der Gendersprache. Im Dezember sagte Söder im Bayerischen Landtag: «Mit uns wird es kein verpflichtendes Gendern geben. Im Gegenteil: Wir in Bayern werden das Gendern in Schule und Verwaltung untersagen.»
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat im Dezember von der Verwendung von Sonderzeichen im Wortinneren abgeraten, die sogenannte Geschlechtsidentitäten vermitteln sollen. Das Gremium wies darauf hin, dass es sich um Eingriffe handle, die die Verständlichkeit von Texten beeinträchtigen könnten.
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein verbieten Gendern an Schulen
Grundsätzlich gilt in den Bundesländern ohnehin das Amtliche Regelwerk für Schulen sowie für die öffentliche Verwaltung, welches keine Gendersprache vorsieht. Jedoch wird gerade an Hochschulen davon abgewichen. Nur in einzelnen Bundesländern ist die «geschlechtergerechte Sprache» mit Sonderzeichen aber explizit unerwünscht. Sachsen war das erste Bundesland, das Gendern per Erlass des Kultusministeriums verboten hatte. Sachsens Lehrerverband begrüsste das als Signal der Klarheit.
Auch in Sachsen-Anhalt sind die Sonderzeichen seit dem Sommer 2023 an Schulen verboten und werden mit Punktabzug bestraft. In Schleswig-Holstein gilt diese Regelung schon seit 2021. Im Gegensatz zu Bayern gibt es in den beiden Bundesländern jedoch keine so klaren Vorschriften für Universitäten.
Nicht alle Bundesländer gehen so streng gegen Sonderzeichen vor wie Bayern und Sachsen. In Berlin und Niedersachsen ist das Gendern an Schulen teilweise geduldet. In der Hauptstadt ist ein Vater schulpflichtiger Kinder mit einem Eilantrag gegen die Benutzung von Gendersprache in Lehrmaterialien im vergangenen Jahr gescheitert.
Verein Deutsche Sprache lobt Genderverbot
In Hessen ist das Genderverbot zwar im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbart, laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sind aber keine Sanktionen bei einem Verstoss geplant.
Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Gendersprache ab. Immer wieder bestätigen Umfragen, dass sich etwa drei Viertel der Bürger an der Verwendung von Sternchen, Unterstrichen, Doppelpunkten oder Sprechpausen stören.
Der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache (VDS), Walter Krämer, lobt den Entschluss aus München. Er sagte der NZZ: «Markus Söder hat ein klares Signal an den Rest der Republik gesendet: Sprache muss ideologiefrei und verständlich bleiben.» Der dauernde Fokus auf das Geschlecht eines Menschen verhindere die Kommunikation und baue Barrieren auf, so Krämer.