Nach 14 Jahren kommt es an der Spitze der zweitgrössten Stadt des Kantons Zürich zu einem Wechsel.
Seit 2012 ist Mitte-Politiker Michael «Mike» Stadtpräsident von Winterthur. Nun hat er am Mittwoch seinen Rücktritt auf Ablauf der Legislatur im kommenden Frühling angekündigt.
Er sagt: «Winterthur ist und bleibt mir eine Herzensangelegenheit. Aber nach über zwei Jahrzehnten in der Regierung ist es an der Zeit, neuen Kräften Platz zu machen.»
Der 60-jährige Künzle ist seit 2005 in der Exekutive der Stadt tätig. Sieben Jahre lang war er Polizeivorsteher, bevor er 2012 das Amt des Stadtpräsidenten übernahm. Er setzte sich damals gegen die SP-Kandidatin Yvonne Beutler durch. Künzle wurde drei Mal wiedergewählt, jeweils gegen SP-Kandidaten.
Im siebenköpfigen Stadtrat hält die Mitte einen Sitz, den sie nun verteidigen muss. Die Partei ist damit in der gleichen Situation wie die GLP: Deren einzige Stadträtin Katrin Cometta hat vergangene Woche ihren Rücktritt angekündigt. Ebenso je einen Sitz halten Grüne und FDP, während die SP drei Sitze inne hat.
Dass nun ein zweiter Sitz frei wird, dürfte den Wahlkampf anfachen, insbesondere auf bürgerlicher Seite. Die SVP will nach Jahren der Abwesenheit in die Exekutive zurückkehren, und die FDP schielt auf einen zweiten Sitz.
Die Mitte hat bereits klar gemacht, dass sie um ihren Stadtratssitz kämpfen will. Und auch die SP macht ihren Anspruch aufs Präsidium deutlich.
Und Raphael Tobler, Präsident der FDP Winterthur, sagt: «Aufs Stadtpräsidium erheben wir nicht explizit den Anspruch. Wichtiger ist für uns, dass es eine bürgerliche Wende im Stadtrat gibt.» Die Verschuldung sei in Winterthur viel zu hoch, und die Infrastruktur mangelhaft – unter anderem seien viel zu wenig Schulhäuser gebaut worden.
Ob die FDP mit einem zweiten Kandidaten neben dem bisherigen Stefan Fritschi für den Stadtrat antritt, ist noch offen und wird an der Parteiversammlung vom 8. Juli entschieden.
Tobler geht davon aus, dass jemand aus dem bürgerlichen Lager fürs Präsidium kandidiert. «Alles andere wäre ein Armutszeugnis.»
Die SP wiederum sieht die Chance gekommen, endlich das Präsidium zurückzuerobern. Die Partei hatte es mit Ernst Wohlwend bis 2012 inne, ehe Künzle es für die Mitte eroberte.
Co-Präsident Markus Steiner sagt, man sei stets angetreten in den vergangenen Jahren – der Unterschied sei nun, dass die Chance auf Erfolg grösser sei. «Denn es ist schwierig, gegen jemanden Bisherigen anzutreten.» Die SP hat in Winterthur einen Stimmenanteil von rund 25 Prozent und stellt drei Stadträte.
Steiner sagt, mit einem SP-Präsidium sei eine «einheitlichere Politik» als bisher zu erwarten, da mit Künzle ein Bürgerlicher einem rot-grün dominierten Stadtrat vorstand. Allerdings sind die Mehrheitsverhältnisse im Winterthurer Stadtparlament umgekehrt: Hier ist Rot-Grün in der Minderheit.
Zuletzt unterlag 2022 Kaspar Bopp Künzle. Wer 2026 für die SP antreten wird, ist noch offen. Die Parteileitung führt nun Gespräch mit den drei Bisherigen Bopp, Christa Meier und Nicolas Galladé. Am 6. Mai gibt sie ihre Empfehlung bekannt, am 3. Juni entscheiden die Mitglieder.
Update folgt.