Die US-Regierung von Präsident Donald Trump droht mit drastischen Zöllen auf Importe. Besonders stark exponiert ist die IT-Industrie. The Market zeigt, welche Unternehmen besonders gefährdet sind – und wer für einen Handelskonflikt besser gewappnet ist.
Die amerikanischen Aktienmärkte bleiben anfällig für abrupte Stimmungsschwankungen. Nach den Verlusten von letzter Woche konnte der Leitindex S&P 500 zuletzt etwas Tritt fassen und hat am Dienstagabend 0,4% fester geschlossen. Der Nasdaq 100 mit den grössten Technologiewerten rückte bis zum Ende der Sitzung 0,8% vor.
Für Tech-Aktien verlief das erste Quartal enttäuschend. Der Nasdaq 100 notiert seit Anfang Jahr um 7,5% schwächer. Der IT-Sektor rangiert zusammen mit Aktien von zyklischen Konsumgüterunternehmen am Schluss. Der Roundhill Magnificent Seven ETF mit Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon, Meta Platforms und Tesla hat über 14% eingebüsst. Von den sieben Superstars konnte sich nur Meta hauchdünn im Plus halten.
Bald beginnt die Berichtssaison zum ersten Quartal. Schwärmten letztes Jahr um diese Zeit praktisch alle Unternehmen vom Potenzial künstlicher Intelligenz, dürfte der Ton bei den Ergebnispräsentationen in den kommenden Wochen nüchterner sein. Anstatt «KI» wird das Schlagwort «Zölle» heissen. Die Analystenschätzungen für 2025 werden bereits nach unten revidiert.
Mit unguten Gefühlen erwarten die Märkte heute Abend die Pläne der US-Regierung zu Neugestaltung der Handelspolitik. Nach 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird Präsident Donald Trump im Rosengarten vor dem Weissen Haus vor die Kameras treten. Die Börsen in New York haben dann schon geschlossen. Was er genau ankündigen wird, ist bis jetzt weiterhin unklar.
Die erwarteten Zollerhöhungen werfen ihren Schatten voraus. Das jüngste Beispiel ist der ISM-Einkaufsmanagerindex zum verarbeitenden Gewerbe. Mit 49 ist das vielbeachtete Konjunkturbarometer zur amerikanischen Industrie im März zurück in eine Kontraktion gefallen. Unschön sind vor allem die Details: Die neuen Bestellungen sind gesunken, während die bezahlten Preise auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 geklettert sind.
Das Gros der Unternehmen sei sich unsicher, wie sich die Nachfrage entwickeln werde, konstatiert das Institute for Supply Management, das den Index monatlich aktualisiert. «Der Preisanstieg beschleunigte sich aufgrund von Zöllen, was zu Rückständen bei der Auftragsvergabe, zu Verzögerungen bei den Lieferanten und zu einem Anstieg der Lagerbestände in der Produktion führte», hält die Medienmitteilung fest.
Wenn sich Handelskonflikte verschärfen, werden das auch die meisten Tech-Unternehmen spüren. Die Gefahr ist gross, dass die globalen Lieferketten erneut unter Stress geraten.
In der heutigen Ausgabe von «The Pulse» erörtern wir, wo die empfindlichsten Schwachpunkte liegen, welche Unternehmen besonders stark exponiert sind und welche besser mit dem zunehmenden Druck umgehen können.
Verunsicherung in der Exportindustrie
Kaum eine andere Gegend hat in den letzten Jahren einen so kräftigen Wachstumsschub erlebt wie Hai Phong. Das einst verschlafene Fischerdorf im Norden Vietnams hat sich quasi über Nacht zu einem globalen Produktionsstandort für Hardware-Konzerne aus dem Tech-Sektor wie LG Electronics, Foxconn oder Pegatron gewandelt. Der Boom reflektiert sich in Vietnams Exporten: 2024 verzeichnete das südostasiatische Land einen Aussenhandelsüberschuss von über 180 Mrd. $ mit den USA. Einen grösseren Überschuss weisen nur China und Mexiko auf.
Vietnams Exportindustrie verdankte ihr Wachstum anfänglich vor allem Nike, Adidas und anderen Textilherstellern. Dann begann Donald Trumps erster Handelskrieg. Seine Sanktionen richteten sich ab 2018 hauptsächlich gegen China, womit Hai Phong zu einem präferierten Standort für die Endfertigung von Tech-Produkten avancierte. Im Zug massiver Infrastrukturinvestitionen wurde ein Tiefseehafen gebaut. Dank einer neuen Autobahn können IT-Komponenten und andere Waren von Chinas Industrie-Cluster Shenzhen in einem halben Tag an die Nordküste Vietnams transportiert werden.
Doch mit dem Aufschwung in Hai Phong ist es möglicherweise vorbei. Anders als in seiner ersten Amtszeit droht Trump nun mit breit ausgerichteten Zöllen. Im Fokus stehen dabei auch Länder wie Vietnam, Thailand, Indonesien oder Indien, in die chinesische IT-Hersteller ausgewichen sind. Ein Blick auf die Handelsbilanz Vietnams zeigt, dass die Ausfuhren des Landes in die USA parallel zu seinen Importen aus China gewachsen sind. Die US-Regierung kritisiert denn auch, dass chinesische Unternehmen Vietnam als Hintertüre für Exporte nutzen, um Zölle zu umgehen.
Entsprechend gross ist die Verunsicherung im Tech-Sektor zur künftigen US-Handelspolitik. «Die Ankündigung neuer Zölle am 2. April dürfte für mehr Klarheit hinsichtlich den Zollraten und den Ländern bzw. Produkten sorgen, die in den Geltungsbereich fallen», denkt Mike Wilson, Aktienstratege von Morgan Stanley. Seiner Meinung nach wird es sich aber weniger um ein festes Regelwerk handeln, sondern eher um eine Ausgangsbasis für weitere Verhandlungen. «Die politische Unsicherheit und das Risiko für das Wirtschaftswachstum werden demnach vermutlich fortbestehen – die Frage ist, in welchem Ausmass.»
Unterschiede zum ersten Handelskonflikt
Die Befürchtung ist, dass die Konsequenzen dieses Mal wesentlich gravierender sein werden als beim ersten Handelskonflikt. Die US-Regierung wählte damals einen graduelleren Ansatz. Trump erliess zwar bereits wenige Woche nach seinem Antritt Anfang 2017 eine Verordnung zu Importen aus China, hielt sich dann aber ein ganzes Jahr mit Zöllen zurück. Erst im Januar 2018 erhob er Einfuhrgebühren auf Solar-Panels und Waschmaschinen aus der Volksrepublik, worauf er die Restriktionen im März auf Stahl und Aluminium ausweitete.
Ähnlich verhielt es sich im Bereich Technologie. Trumps Sanktionen richteten sich zunächst vorab gegen das chinesische Tech-Konglomerat Huawei. Mit US-Importzöllen von 25% wurde zudem nur ein Subsegment von IT-Produkten wie spezifische Komponenten für Telecom-Netze, Festplatten, und Computer belastet. Die Drohung einer 10%-Gebühr auf die Einfuhr von Smartphones, Notebooks, Tablets, Server, Speichergeräten, Drucker und Videospielkonsolen wurde nie umgesetzt.
Im Vergleich dazu hat Trump in den vergangenen zehn Wochen seit seinem Amtsantritt bereits in zwei Runden Zölle von jeweils 10% auf Importe aus China verhängt. Ab dem 3. April soll eine 25%-Gebühr für importierte Autos und bestimmte Autoteile in Kraft treten. Hinzu kommen 25%-Zölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium. Gemäss einer Schätzung von UBS summieren sich die angekündigten Gebühren auf rund 770 Mrd. $, wogegen es 2018/19 bloss 113 Mrd. $ waren. Mit Mexiko und Kanada sind auch Amerikas engste Handelspartner betroffen.
Wie es heisst, soll die US-Regierung diese Woche auch reziproke Zölle ankündigen. Gemeint sind damit Gegenzölle, die von den USA als Antwort auf Gebühren erhoben werden, die andere Länder auf amerikanische Waren verlangen. In Betracht gezogen werden könnten dabei auch Faktoren wie die Mehrwertsteuer, der Wechselkurs und möglicherweise sogar die Militärausgaben. Die Massnahmen sollen sich auf rund fünfzehn bis zwanzig Handelspartner richten, gegenüber denen die USA das grösste Defizit ausweisen; darunter China, die Europäische Union, Indien, Vietnam, Südkorea, Japan, Taiwan und eventuell auch die Schweiz.
Viele der betroffenen Länder bereiten Vergeltungsmassnahmen vor. Die EU-Staaten nehmen Einfuhren von Bourbon-Whisky, Harley-Davidson-Motorrädern und anderen US-Gütern ins Visier. China erhebt Zölle von bis zu 15% auf landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den USA und droht mit weiteren Gegenmassnahmen. Kanadische Verbraucher boykottieren amerikanische Produkte. China, Japan und Südkorea wollen sogar über ihre historische Rivalität hinwegsehen, um gemeinsame Schritte gegen US-Zölle zu erwägen.
Bewegung in den globalen Lieferketten
Eskalieren Handelskonflikte erneut, werden Tech-Konzerne zwischen die Fronten geraten. Wie komplex und anfällig die Lieferketten vieler Hardware-Hersteller sind, haben die Verwerfungen während der Pandemie gezeigt. Was Zölle und Sanktionen betrifft, hatte sich der Tech-Konflikt zwischen den USA und China schon unter der Biden-Regierung weiter verschärft.
Die meisten Unternehmen wappnen sich deshalb schon seit Monaten gegen den Ernstfall. Deutlich erkennen lässt sich das unter anderem an den US-Importen von Computern, Computer-Peripheriegeräten, Halbleitern und Telecom-Equipment. Die Einfuhren nahmen bereits im dritten Quartal 2024 deutlich zu und sind gegen Ende Jahr auf erhöhtem Niveau verharrt.
«Unsere Lagerbestände sind relativ hoch, und das ist Absicht», sagte beispielsweise das Management des PC- und Druckerherstellers HP an einer Investorenpräsentation Anfang März. «Wir haben sowohl strategische Zukäufe von Komponenten getätigt, um den Kostenanstieg abzufedern, als auch […] unsere Lagerbestände an Fertigprodukten erhöht, um den Effekt abzufedern, wenn Zölle eingeführt werden», sagte CEO Enrique Lores.
Bemühungen, globale Lieferketten flexibler und widerstandsfähiger zu machen, werden in der IT-Industrie seit geraumer Zeit forciert. Erste Impulse dazu gab der Handelskonflikt während der ersten Trump-Administration, worauf der Effort im Nachgang der Pandemie verstärkt wurde. So haben Tech-Auftragsfertiger (Electronics Manufacturing Services, EMS), die Smartphones für Apple oder Endgeräte für PC-Anbieter wie HP und Dell Technologies herstellen, vermehrt in Standorte ausserhalb Chinas wie Hai Phong investiert.
Dieser Trend zeigt sich gut bei den führenden Auftragsproduzenten aus Taiwan. Der Foxconn-Mutterkonzern Hon Hai Precision Industry, Pegatron, Wistron, Quanta Computer, Compal Electronics und Inventec kommen zusammen für mehr als die Hälfte des globalen EMS-Marktes auf. Ihr Anlagevermögen war 2017 noch primär auf China konzentriert. Seither haben sie ihre Präsenz breiter in Asien diversifiziert, wobei sie ebenfalls Werke in Nord- und Lateinamerika aufgebaut haben.
Profitiert hat davon zum Beispiel auch Mexiko. Annähernd 70% der Server, die in die USA importiert werden, kommen heute aus dem südlichen Nachbarland. Bei TV-Geräten beläuft sich der Anteil inzwischen auf fast 80%. Indien wiederum versucht sich als Produktionsstandort für Mobilfunkgeräte zu etablieren. Die Exporte von Smartphones haben in den letzten vier Jahren von gut 3 auf annähernd 16 Mrd. $ zugenommen. Seit der Apple-Partner Foxconn 2023 mit der iPhone-Produktion in Indien begonnen hat, nehmen Ausfuhren in die USA sprunghaft zu.
«Made in China» lässt sich nicht leicht ersetzen
Dieser Trend ist beachtlich und dürfte sich angesichts des zunehmenden Risikos von Handelsrestriktionen und geopolitischen Konflikten weiter akzentuieren. Auf kurze bis mittlere Sicht wird sich an der dominanten Stellung Chinas als verlängerte Werkbank der globalen IT-Industrie jedoch wenig ändern.
Chinas Anteil an der Herstellung von IT-Produkten hat sich zwar verringert. Dennoch kommt die Volksrepublik noch immer für mehr als drei Viertel aller US-Importe von Smartphones sowie Notebook-Geräten und Tablets auf. Im Fall von Videospiel-Konsolen sind es gegen 90%.
«Höhere US-Zölle werden voraussichtlich den Produktabsatz von Tech-Unternehmen mit Produktionsschwerpunkt in China beeinträchtigen», berichtet Aras Poon, Kreditspezialist bei der Ratingagentur S&P Global. «Diese Unternehmen haben ihre Bemühungen zur Diversifizierung ihrer Produktionstätigkeit ausserhalb Chinas – insbesondere nach Südostasien – verstärkt, sind aber nach wie vor stark im Land vertreten», fügt er hinzu.
Eine deutliche Warnung spricht deshalb der Branchenverband CTA aus, dem mehr als 1200 Tech-Unternehmen in Nordamerika angeschlossen sind. «Die beabsichtigten Zölle werden nicht zu mehr Beschäftigung oder Produktion in den USA führen», hält die Dachorganisation in einer Studie zu Trumps Handelspolitik fest. «Im Gegenteil, unsere Produktivität könnte sinken und Arbeitsplätze könnten im Laufe der Zeit verlorengehen, wenn Arbeitnehmer und Unternehmen einen weniger erschwinglichen Zugang zu Technologie haben.»
Das Problem besteht darin, dass Chinas Kapazität und Kompetenz bei der Herstellung von Tech-Hardware einzigartig sind. Die Endmontage von Smartphones, Computern und anderen IT-Geräten lässt sich zwar relativ schnell in ein anderes Land verlegen. Bei der Produktion kritischer Komponenten erweist sich dies hingegen als wesentlich schwieriger. Um die hohen Fixkosten zu decken, sind zudem hohe Volumen erforderlich, was für eine zentralisierte Produktion mit Nähe zu Zulieferern und Kunden spricht.
«Wenn überhaupt, gibt es nur wenige Länder, die es bezüglich dieser Eigenschaften mit China aufnehmen können», bemerken dazu die Branchenkenner von S&P Global in einer Analyse zu den internationalen Lieferketten. China werde von vielen IT-Herstellern geschätzt, weil es ein florierendes Ökosystem von Lieferanten, Infrastruktur und gut ausgebildeten Arbeitskräften biete. «Der Versuch, all dies in einem anderen Wirtschaftsraum zu reproduzieren, ist unweigerlich mit höheren Kosten und geringerer Effizienz verbunden.»
Bei Investitionen selektiv vorgehen
Für Investoren in Technologieaktien werden die Rahmenbedingungen damit anspruchsvoller. Im Zug der grossen Hausse seit der Finanzkrise von 2008/09 hat der Sektor eine markante Bewertungsexpansion erlebt. Angesichts potenziell steigender Produktionskosten, geopolitischer Spannungen und höherer Zinsen fragt sich, inwiefern diese Prämie auch künftig gerechtfertigt ist.
In den Bewertungen der meisten Tech-Unternehmen sind diese Risiken kaum reflektiert. Auf Basis der Analystenschätzungen für 2025 ist der Branchenindex Nasdaq 100 zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 25 bewertet. Das entspricht einem Aufschlag von gut 20% zum US-Gesamtmarkt, der im internationalen Vergleich ohnehin stolz bewertet ist. Vor zehn Jahren betrug der Bewertungsaufschlag bei Tech-Konzernen weniger als 10%.
In einer Analyse von Anfang Februar haben wir darauf verwiesen, dass Unternehmen aus dem IT-Sektor bezüglich des Risikos von Handelskonflikten besonders stark exponiert sind. Sie erwirtschaften rund 55% der Einnahmen ausserhalb des US-Heimmarktes; der höchste Anteil im Vergleich mit allen anderen Sektoren. Ausserdem beläuft sich der Anteil der Produktion ausserhalb der USA mit 75% ebenfalls auf einen Spitzenwert.
Am geringsten ist das unmittelbare Risiko bei Software-Unternehmen wie Adobe Systems, Oracle oder Salesforce. Der weitaus grösste Teil ihrer Kosten entfällt naturgemäss auf die Ausgaben für Personal. Von Zöllen auf die Importe von Waren sind sie daher kaum betroffen.
Anders sieht es in den Segmenten Halbleiter und Tech-Hardware aus. Hardware-Hersteller wie HP, Hewlett-Packard Enterprise, Dell, Sandisk, Western Digital und Seagate Technology verdienen nur geringe Margen. Sie werden deshalb versuchen, höhere Zölle über Preiserhöhungen weiterzugeben. Angesichts des harten Wettbewerbs und der Abkühlung des Konsums in den USA wird das nicht einfach. Ebenso dürften Unternehmenskunden dazu tendieren, den Ersatz von Geräten hinauszuzögern, wenn die Preise steigen.
Selbst die Superstars der Branche könnten sich mit Problemen konfrontiert sehen. Apple wurde 2018/19 von den Zöllen auf Importe aus China ausgenommen, was dieses Mal möglicherweise nicht der Fall ist. Angesichts verhaltener Wachstumsaussichten kann der iPhone-Konzern höhere Kosten wohl kaum vollständig auf die Kunden überwälzen. Die Grossregion China ist ausserdem ein wichtiger Absatzmarkt. Mit einem stolzen KGV von knapp 30 sind die Aktien verletzlich.
Amazon verfügt zwar über ein starkes Cloud-Infrastrukturgeschäft. Im klassischen E-Commerce-Bereich ist der Konzern aber auf einen gut funktionierenden Welthandel angewiesen. Für Microsoft, Alphabet und Meta Platforms ist Europa ein Schlüsselmarkt, wo sich die Regulation amerikanischer Tech-Unternehmen als Vergeltungsmassnahme gegen US-Zölle verschärfen könnte. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat diese Woche bereits Andeutungen in diese Richtung gemacht.
Unter diesen Voraussetzungen empfiehlt sich bei Investments ein selektives Vorgehen. Relativ anspruchslos bewertet sind beispielsweise die Aktien von Micron Technology (KGV: 10). Der Kurs des Speicherchip-Herstellers ist äusserst volatil, doch er baut seine Produktion in den USA aus und profitiert davon, dass Branchenleader Samsung Electronics technologisch in Rückstand geraten ist. Im Wettlauf mit China auf dem Gebiet künstlicher Intelligenz ist Micron zudem ein strategisches Asset der US-Regierung.
Nicht teuer ist ebenso Cisco Systems (KGV: 16). Im Handelskonflikt von 2018/19 konnte der grösste westliche Netzwerkausrüster höhere Importkosten erfolgreich an seine Kunden weitergeben. Inzwischen hat er einen wesentlichen Teil der Produktion nach Mexiko verlagert, was sich bei einem neuen Handelsabkommen zum nordamerikanischen Wirtschaftsraum als Vorteil erweisen könnte. Auch erzielt Cisco heute knapp 40% der Einnahmen mit Software, wodurch sich das Exposure gegenüber höheren Zöllen verringert hat.
Deep Diving
An dieser Stelle präsentieren wir wie immer einige Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:
- Waymo, die Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, hat im Herbst 2020 als erstes Unternehmen einen öffentlichen Robotaxi-Dienst ohne menschliche Aufsicht lanciert. Heute ist Waymo in San Francisco, Los Angeles sowie Phoenix verfügbar und absolviert Tausende von bezahlten Fahrten pro Woche. Unfälle bleiben dabei nicht aus. Das Online-Magazin «Ars Technica» befasst sich in dieser Recherche mit der Sicherheit des autonomen Fahrdienstes und kommt zu einem überraschenden Schluss.
- Netflix hat Hollywood revolutioniert. Der Streaming-Pionier wird heute mit einer Marktkapitalisierung von annähernd 400 Mrd. $ höher bewertet als einstige Titanen der Unterhaltungsindustrie wie Disney, Comcast, Warner Bros. oder Paramount. Massgeblich mitverantwortlich für den Erfolg ist Co-CEO Ted Sarandos. Im Interview mit der Fachzeitschrift «Variety» blickt er auf seine 25-jährige Karriere bei Netflix zurück, äusserst sich zu den wichtigsten Trends in der Branche und sagt, warum er Apples Streaming-Strategie nicht versteht.
- Quantencomputing regt an der Börse die Fantasie an. Tech-Riesen wie Alphabet und Microsoft haben letzthin mit neuen Computerchips für die Technologie Schlagzeilen gemacht. Aktien von Small-Cap-Unternehmen wie D-Wave Quantum, Rigetti Computing und IonQ sind ein beliebter Spielball für Spekulanten. Doch wie funktioniert Quantencomputing überhaupt und wie lange wird es bis zu kommerziellen Anwendungen dauern? Der Börsensender «CNBC» macht sich auf die Suche nach Antworten.
Und zum Schluss noch dies: Grand Theft Auto
Die Autokultur ist in Südkalifornien fest verwurzelt. Stau gehört im Grossraum Los Angeles quasi zum Lebensgefühl. Wer am Abend auf der Suche nach etwas Unterhaltung durch das TV-Programm der lokalen Nachrichtensender zappt, hat sogar anständige Chancen, eine Verfolgungsjagd live mitzuerleben.
Gemäss einem Bericht des L.A. Police Department kam es in der Westküstenmetropole letztes Jahr zu durchschnittlich 21 Polizeiverfolgungen pro Woche. Jeder Fernsehsender hat mindestens einen Helikopter rund um die Uhr einsatzbereit, um die «Action» nicht zu verpassen. Im Strassenverkehr werden dabei leider oft auch Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen.
Ein Schlüsselereignis war die Flucht von O.J. Simpson in seinem weissen Ford Bronco. An diesem Freitagabend im Sommer 1994 verfolgten rund 95 Mio. Amerikaner die zweistündige Polizeijagd am Bildschirm mit, die mit der Verhaftung des Hollywood-Schauspielers und Football-Stars endete. Bereits Anfang Jahr hatte damals der Rap-Star Dr. Dre mit einem Fluchtversuch in Beverly Hills Schlagzeilen gemacht.
Die meisten Verfolgungsjagden verlaufen allerdings weniger spektakulär. Um Drittpersonen nicht zu gefährden, fährt die Polizei dem Fluchtauto meist in sicherer Distanz mit Blaulicht hinterher. Wenn möglich, werden aus Sicherheitsvorkehrungen ganze Strassenabschnitte abgesperrt. Die Hoffnung ist, dass der Fahrzeuglenker früher oder später von selbst aufgibt.
Das Drama, das sich letzte Woche in der Gegend von Long Beach ereignet hat, dürfte hingegen nicht wenige Zuschauer in Atem gehalten haben. Bei einer der gefährlichsten und zerstörerischsten Verfolgungsjagden der letzten Zeit raste ein Mann mit einem gestohlenen Pritschenwagen durch den Nachmittagsverkehr und rammte ein Fahrzeug nach dem anderen.
Die Bilder glichen einer Sequenz aus dem Videospiel «Grand Theft Auto». Der Fahrer kurvte zeitweise mit einem Tempo von mehr als 100 km/h durch die Strassen. Um der Polizei zu entkommen, raste er wiederholt auf dem Mittelstreifen und auf der Gegenfahrbahn. Nach einem platten Reifen krachte er schliesslich in einen Farbenladen und stieg zwanglos aus dem Wagen aus, als ob nichts gewesen wäre. Die Verhaftung erfolgte umgehend. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt.