Die USA und die Ukraine haben sich auf einen Rohstoffvertrag geeinigt. Bei seltenen Erden sehen Experten kein Preisargument für den Abbau dieser Rohstoffe in der Ukraine. Trumps Hauptmotivation dürfte eine andere sein.
Die ukrainischen Rohstoffe beflügeln in den USA mächtig die Phantasie. «Es ist ein sehr grosser Deal. Es könnte ein Billionen-Dollar-Deal sein», sagte der amerikanische Präsident Donald Trump über das Rohstoffabkommen zwischen den Amerikanern und der Ukraine.
Die beiden Länder haben sich auf einen Vertrag geeinigt, in dem es um die künftigen Rohstofferlöse in der Ukraine geht. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte am Mittwochnachmittag, der Vertrag sei für ihn «akzeptabel». Nun hänge der Erfolg von Trump ab.
Doch welche Rohstoffe dieser von dem kriegsversehrten Land genau will, ist unklar. Gegenüber Reportern sprach der amerikanische Präsident vage von «seltenen Erden und anderen Dingen». Vorgesehen ist laut dem Vertragsentwurf ein Fonds, in welchen die Ukraine 50 Prozent der Erlöse aus der Förderung von Rohstoffen einbezahlt. Dazu zählen auch künftige Erlöse aus der Öl- und Gasförderung und deren Transport.
Rohstoffexperten rätseln über die Pläne von Trump. So sind seltene Erden zwar wichtig, da diese Gruppe von Metallen unter anderem in Schlüsseltechnologien bei der Digitalisierung, der Energiewende und in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Doch rein bezogen auf diese Metalle hat Trump das Vorkommen in der Ukraine massiv überschätzt. Die Behörde US Geological Survey listet das Land zum Beispiel nicht unter den grössten Produzenten auf.
Dominiert wird der Weltmarkt von China. 2024 wurden 270 000 Tonnen in dem Land produziert, die Reserven schätzt die US Geological Survey auf 44 Millionen Tonnen.
Die Nachfrage nach seltenen Erden steigt an
«Ob in der Ukraine überhaupt seltene Erden abgebaut werden können, steht völlig in den Sternen», sagt Jens Gutzmer, Direktor des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie. Es gebe zwar Vorkommen dieser Metalle in der Ukraine, doch diese wurden nicht gut genug erkundet, um entscheiden zu können, ob sich ein wirtschaftlicher Abbau überhaupt lohnt. Dazu kommt, dass sie teilweise in der Nähe der Front oder auf russisch besetztem Gebiet liegen.
Solange die Details des Vertrages nicht vorliegen, lassen sich dessen Auswirkungen auf die Preisentwicklung der einzelnen Rohstoffe auch nur schwer abschätzen. «Grundsätzlich wird durch die Erschliessung zusätzlicher Quellen die Preisentwicklung aber sicher gedämpft», sagt Simon Lustenberger, Head Investment Strategy bei der Zürcher Kantonalbank. Weitere Faktoren, die den Preis bestimmen, sind globale Handelsbestimmungen wie Zölle.
Das Volumen des Weltmarktes für seltene Erden wird auf rund 15 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen steigt stetig an. Derzeit wird sie jedoch von den in Abbau befindlichen Lagerstätten gut abgedeckt. «Es gibt kein Preisargument für den Abbau der Rohstoffe in der Ukraine», sagt Gutzmer. Vor 15 Jahren gab es einen Höchststand bei den Preisen. Seit damals sind auch in Europa zahlreiche neue Lagerstätten definiert worden. Würde sich die EU entschliessen, unabhängiger von China zu werden, könnte sie erst einmal diese erschliessen. Bei der Erschliessung neuer Vorkommen rechnet er mit einem Zeitraum von 12 bis 15 Jahren, bis man zur Produktion übergehen könnte.
Für Lustenberger hingegen ist nicht das derzeitige Preisniveau der Rohstoffe die entscheidende Fragestellung für die Investition in neue Förderprojekte, sondern jene, ob man in der Zukunft ein knappes Angebot erwartet: «Den Zugang zu den vermuteten Vorkommen sichern sich Unternehmen oftmals in einem frühen Stadium», sagt er.
Klar ist: Ohne massive Investitionen der USA lassen sich die Pläne des amerikanischen Präsidenten in der Ukraine nicht realisieren. Wie hoch die Kosten wären, lässt sich kaum abschätzen. Die geologischen Informationen zu den Vorkommen sind derart spärlich, dass unklar ist, ob der Abbau im günstigeren Tagebau durchgeführt werden könnte oder ob ein Tiefbaubergwerk nötig wäre. Dazu kommt, dass die Suche nach seltenen Erden deutlich schwieriger ist als jene nach Öl und Gas. Während Letztere mit Flugzeugen oder sogar Satelliten aufgespürt werden können, sind die Lagerstätten bei mineralischen Rohstoffen sehr klein und die Erkundung oft mit vielen Fehlversuchen verbunden.
Trump will China abwehren
Trump hat bereits angetönt, dass er nicht nur seltene Erden von der Ukraine will, sondern auch etwa Metalle, die nicht zu dieser Gruppe gehören. Aus wirtschaftlicher Perspektive würde dies eher Sinn ergeben. So verfügt die Ukraine über schätzungsweise einen Drittel der europäischen Lithiumreserven. Dieser Rohstoff ist wiederum für die Herstellung von Batterien sehr wichtig. Gutzmer nennt auch noch den Abbau von Titan, Mangan und Eisen. «Hier gibt es in der Ukraine tatsächlich grosse wirtschaftliche Aktivitäten», sagt Gutzmer. Beispielsweise bei Mangan: In der Ukraine liegt die einzige Quelle in Europa für dieses Metall, das als Stahlveredler Verwendung findet.
Doch Trumps Hauptziel dürfte sein, die Dominanz von China zu brechen. Das könnte sich bei Rohstoffen aber als schwierig erweisen. Längst ist dieser Sektor für Peking von strategischer Bedeutung. So hat China 2023 ein Exportverbot für gewisse Technologien, die zu der Verarbeitung von seltenen Erden nötig sind, erlassen.