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Startseite » Vier Muslime bei Markus Lanz: «Wie kann es sein, dass wir bei ‹Ausländer raus› so empört sind, aber hier kaum Reaktionen zu spüren sind?»
Welt

Vier Muslime bei Markus Lanz: «Wie kann es sein, dass wir bei ‹Ausländer raus› so empört sind, aber hier kaum Reaktionen zu spüren sind?»

MitarbeiterBy MitarbeiterMai 31, 2024
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Vier Muslime bei Markus Lanz: «Wie kann es sein, dass wir bei ‹Ausländer raus› so empört sind, aber hier kaum Reaktionen zu spüren sind?»

Beim ZDF-Talk sind zu später Stunde vier Vertreter des islamischen Glaubens eingeladen. Eigentlich soll sich alles um den radikalen Islam drehen, stattdessen geht es auch um die Krakeeler von Sylt.

So eine Runde gab es im deutschen Fernsehen wohl noch nie. Der Moderator Markus Lanz hat vier Muslime in seine Talk-Sendung am Donnerstagabend eingeladen. Laut dem ZDF soll es um den Nahostkonflikt, den Moscheenverband Ditib und antimuslimischen Rassismus gehen. Doch tatsächlich nimmt das Gespräch eine ungeplante Richtung.

Gleich zu Beginn verrät Lanz, dass es nicht einfach gewesen sei, die Runde zu besetzen, denn es habe so viele Absagen gehagelt wie noch nie, besonders von islamischen Verbandsvertretern. Dafür haben die HR-Rundfunkrätin Khola Hübsch, der Psychologe Ahmad Mansour, der ehemalige Ditib-Rechtsberater Murat Kayman und der österreichische Soziologe Mouhanad Khorchide auf den weissen Sesseln im Fernsehstudio Platz genommen.

Hübsch wirft ein, sie könne die vielen Absagen verstehen. Nach jedem Talkshow-Auftritt sei sie auf der Titelseite der Boulevardpresse, ihr würden die schlimmsten Dinge vorgeworfen, sie werde diffamiert. «Beispiel?», fragt Lanz, woraufhin Hübsch keines nennt. Dafür kommt sie auf ihren letzten Auftritt bei der ARD-Sendung «Hart aber fair» zu sprechen.

Die Rundfunkrätin Hübsch will mehr Verständnis für Scharia

Dort kritisierte die Rundfunkrätin des Hessischen Rundfunks den Grundsatzprogrammentwurf der CDU für den Satz, die Scharia gehöre nicht zu Deutschland. Das sei Populismus, so Hübsch. «Scharia ist die islamische Normenlehre, die islamische Ethik. Wenn ein Muslim zur Moschee geht, wenn er betet, wenn er fastet, wenn er gut zu seinem Nachbar ist (. . .) Das ist die Scharia.»

Dass nach diesem islamischen Strafrecht Frauen von einem Richter für Ehebruch bestraft werden können, lässt Hübsch aus. Für nach muslimischer Auffassung besonders schwere Vergehen sind nach dem Gesetz der Scharia auch Auspeitschungen oder Steinigungen vorgesehen. Sie versuche «Begriffe zu versachlichen», erklärt Hübsch.

Dann geht es plötzlich erneut um die Partygröler von Sylt, über die bereits in einer vorigen Lanz-Sendung hitzig diskutiert worden war. Das Handyvideo mit ausländerfeindlichem Gesang, das in einem Sylter Klub aufgenommen wurde, hat in Deutschland eine Debatte über Fremdenfeindlichkeit ausgelöst.

Den Islamexperten Mansour stört die «selektive Empörung»

Der Extremismusexperte Mansour zeigt sich beim Sylt-Video gelassen, warnt aber vor einer Instrumentalisierung dessen, um legitime Debatten wie die um Ausländer- oder Clan-Kriminalität zu vermeiden. «Warum sind die denn kriminell?», fragt Hübsch und möchte die Debatte hinlenken zu sozioökonomischen Faktoren, doch Mansour lässt sich darauf nicht ein.

Er habe sich gewundert, wie schnell sich der Bundeskanzler Olaf Scholz und andere Politiker über das Sylt-Video entrüstet hätten. Mansour fragt, wo sie eigentlich zwei Tage vorher gewesen seien, als an der Humboldt-Universität Studenten Hamas-Symbole an die Wand gemalt hätten. Die selektive Empörung, das störe ihn. «Wie kann es sein, dass wir bei ‹Ausländer raus› so empört sind, aber hier kaum Reaktionen zu spüren sind?»

Langsam entwickelt sich eine Dynamik für die Gesprächsrunde: Der Moderator versucht die Gäste gleichberechtigt zu einer konkreten Frage antworten zu lassen, etwa: «Gibt es im Islam strukturellen Antisemitismus?» Doch die Diskutantin Hübsch versucht stets das Thema zu wechseln, jegliche Kritik am Islam relativiert sie. So entspinnt sich ein diskursives Durcheinander, das an einigen Stellen schwer erträglich, an anderen unfreiwillig komisch ist. Als es um Ausländerkriminalität geht, behauptet sie, dass der Anteil der Kultur und der Religion überbewertet werde. «Es wäre die substanziellere Debatte gewesen, über Männerkriminalität zu sprechen», sagt die Publizistin.

Kein Problem mit «from the river to the sea»?

Geht es wiederum um die aggressiven Besetzer der Berliner Universität, sagt die Muslimin: «So zu tun, dass alle, die gegen das Leid in Gaza, die darauf aufmerksam machen möchten, dass das alles Antisemiten wären . . .» Lanz unterbricht sie mehrfach, hält sie in Schach: «Das hat hier keiner gesagt, Frau Hübsch. Das hat hier keiner gesagt.»

Ein Dialog über die israelfeindlichen Schmierereien an der Humboldt-Universität veranschaulicht das. Ein Foto wird eingeblendet. Auf einem Fenster steht die in Deutschland inzwischen verbotene Parole «from the river to the sea», darunter ein Dreieck in roter Sprühfarbe. Mit Dreiecken habe die Hamas am 7. Oktober die Häuser jüdischer Menschen markiert, bevor sie getötet worden seien, erklärt Mansour.

Lanz: «Da wir das geklärt haben, Frau Hübsch, sagen Sie dazu was?»
Hübsch: «Das Dreieck ist ein Problem.»
Lanz: «Ein Problem?»
Hübsch: «Natürlich. Das ist antisemitisch, das können wir nicht dulden, das ist klar. Aber ‹from the river to the sea›. Da fängt es schon an. Mindestens zwei Gerichte sehen das anders, die sagen, das ist uneindeutig.»

Eigentlich sollte Hübsch das letzte Wort haben

Hübsch, die bereits den Begriff Ausländerkriminalität für problematisch hält, hat offenbar kein Problem mit einem Satz, der de facto bedeutet, dass Israel nicht mehr existieren soll.

Eigentlich soll dann der Rundfunkrätin nach viel Widerspruch auch das Schlusswort gehören. Lanz erteilt ihr das Wort, Hübsch setzt zu einem einstudiert wirkenden Schlussmonolog an, der damit endet, dass die deutsche Regierung Kriegsverbrechen in Gaza unterstütze. «Es brennt die Moral. Es brennt die Gerechtigkeit. Wir gucken zu, wir machen mit», sagt Hübsch mit ernster Mine.

Das will der Moderator dann doch nicht so stehen lassen und fragt den in Israel aufgewachsenen Mansour nach seiner Einschätzung. Mansour ist am Ende der Sendezeit sichtlich entnervt von seiner Mitdiskutantin: «Unsere Erinnerungskultur scheitert wegen solcher Aussagen. Sie gucken auf den Palästinenser, aber nicht auf die israelische Gesellschaft.»

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