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Startseite » Rawa Majid, der meistgesuchte Verbrecher Schwedens, versteckt sich im Ausland. Er hat einen mächtigen Verbündeten: Iran
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Rawa Majid, der meistgesuchte Verbrecher Schwedens, versteckt sich im Ausland. Er hat einen mächtigen Verbündeten: Iran

MitarbeiterBy MitarbeiterMai 8, 2025
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Rawa Majid, der meistgesuchte Verbrecher Schwedens, versteckt sich im Ausland. Er hat einen mächtigen Verbündeten: Iran

Von den Banden rekrutiert, von Iran ausgenutzt: wie schwedische Jugendliche eingesetzt werden, um israelische Ziele anzugreifen.

Am Abend vor der Walpurgisnacht werden in einem Coiffeursalon in Uppsala drei Menschen erschossen. Aiham ist 15 Jahre alt und hat gerade seinen ersten Job bekommen. Der 16-jährige Omar träumt davon, Luftfahrttechnik zu studieren. Die Buben sind Zufallsopfer – Kollateralschäden in einem Bandenkrieg, der nicht zu enden scheint. Der Anschlag gilt dem dritten Mann im Salon. Er und der mutmassliche Schütze sollen Verbindungen zu kriminellen Gangs gehabt haben.

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Schüsse wie diese sind in Schwedens grössten Städten zum Alltag geworden. Gerade Uppsala geriet immer wieder in die Schlagzeilen. Es ist die Heimatstadt von Schwedens zwei meistgesuchten Kriminellen: Rawa Majid und Ismail Abdo. Die verfeindeten Bandenchefs verstecken sich im Ausland und orchestrieren von dort aus die Gewalt in Schweden. Es geht dabei längst nicht mehr nur um Drogenhandel und Rivalitäten. Im letzten Jahr verübten die Gangs auch mehrere Anschläge auf israelische Einrichtungen.

Ermittler sind inzwischen überzeugt: Der Auftrag kam aus Iran.

Die Anschläge

Die Anschlagsserie begann im Januar 2024, als ein Unbekannter eine Handgranate über den Zaun der israelischen Botschaft in Stockholm warf. Im Mai desselben Jahres wurde ein 14-Jähriger wegen Schüssen in der Nähe der Botschaft festgenommen. Im Oktober feuerte ein Unbekannter erneut mehrere Schüsse auf die Botschaft ab, und nur wenige Stunden später explodierten vor der israelischen Botschaft in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zwei Handgranaten.

Die Botschaften waren nicht das einzige Ziel der Angreifer. Auch der Firmensitz des israelischen Rüstungsunternehmens Elbit Systems in Göteborg wurde im letzten Jahr mehrfach attackiert. Im Juni platzierten zwei junge Männer zwei in Thermosflaschen versteckte Bomben vor dem Firmensitz. Weil die Sprengsätze fehlerhaft konstruiert waren, explodierten sie nicht. Im Oktober schoss ein 13-Jähriger auf den Eingang des Gebäudes. Weitere Anschlagsversuche konnten rechtzeitig durch die Polizei vereitelt werden.

Die Handgranate vor der Botschaft in Stockholm soll die Ermittler auf die Fährte der Gangs gebracht haben. Ins Schema passt, dass die kriminellen Banden immer öfter gezielt Minderjährige rekrutieren, weil unter 15-Jährige in Schweden nicht bestraft, sondern therapiert werden. Laut der Polizei sind 13 Prozent aller aktiven Gangmitglieder in Schweden minderjährig. Das sind 1700 Jugendliche.

Doch bisher hatten die Gangs vor allem einander bekriegt. Wieso war die Gewalt plötzlich politisch geworden?

Die Marionetten

Im Oktober 2023 wurde Rawa Majid in Iran festgenommen. Als die Information von seiner Verhaftung zu den schwedischen Geheimdiensten drang, keimte in Stockholm Hoffnung auf. Majids Rachefeldzug gegen seinen Rivalen Ismail Abdo hatte Schwedens Aussenquartiere in Kampfzonen verwandelt. Würde man den Drahtzieher nun endlich fassen?

Majid, der sich in Verbrecherkreisen «kurdischer Fuchs» nennt, ist der Anführer von Foxtrot, einer Gang, die im Drogenhandel in Schweden eine führende Rolle spielt. Schweden hatte Majid im Sommer 2018 trotz Bewährung ausreisen lassen – ein fataler Fehler, den die Behörden bitter bereuen. Majid setzte sich in die Türkei ab und erlangte 2020 die dortige Staatsbürgerschaft. Aus der Türkei führte er die kriminellen Geschäfte weiter. Schweden hat bereits mehrere Auslieferungsgesuche gestellt – vergeblich, denn die Türkei liefert keine eigenen Staatsbürger aus.

Dann reiste Majid nach Iran und geriet in die Fänge des dortigen Geheimdienstes. Doch statt ihn auszuliefern, liessen die iranischen Behörden Majid überraschend frei. Als Gegenleistung soll er einem Deal zugestimmt haben.

Laut dem schwedischen Geheimdienst Säpo und dem israelischen Geheimdienst Mossad ging der so: Majid sollte bei seinen Leuten in Schweden verschiedene Anschläge gegen jüdische und israelische Ziele in Auftrag geben. Der schwedische Geheimdienstchef Jale Poljarevius spricht gegenüber der NZZ von einem «Stellvertreterkrieg»: «Es geht darum, Bandenmitglieder für die Zwecke einer fremden Nation zu missbrauchen.»

Iran und Israel bekämpfen sich seit Jahren mit Spionen, Auftragsmorden und Hackerangriffen. Die Attacken fanden lange hauptsächlich im Nahen Osten statt. Doch inzwischen hat sich der Schattenkrieg auch auf Europa ausgeweitet.

Laut Recherchen, die die Londoner Zeitung «Iran International» Ende April veröffentlicht hat, steht Majid unter Schutz der Islamischen Revolutionswächter und soll Geld von der iranischen Botschaft in Kopenhagen erhalten haben. Und er ist nicht der Einzige, den Teheran rekrutiert haben soll: Auch Ismail Abdo, sein Erzrivale, soll seine Bande für iranische Zwecke eingespannt haben.

Die Ermittlungen

Iran bestreitet, mit Kriminellen im Ausland zusammenzuarbeiten. Die Verbindungen vor Gericht nachzuweisen, ist schwierig. Üblicherweise werden die jungen Täter von den Gangs in sozialen Netzwerken rekrutiert. Sie kennen meist weder die Motive der Tat noch den Auftraggeber, denn so können sie gegen niemanden aussagen.

Die mögliche Besetzung Gazas durch Israel könnte eine Eskalation des Stellvertreterkrieges zur Folge haben. In Schweden gilt bereits seit den Koranverbrennungen im Sommer 2023 die Terrorwarnstufe vier von fünf. Der Geheimdienstchef Poljarevius sieht derzeit trotz der geopolitischen Lage keine erhöhte Gefahr für die jüdische Bevölkerung oder israelische Einrichtungen im Land.

Derweil berichten schwedische Medien, dass Rawa Majid seinen Einfluss im schwedischen Gang-Umfeld wieder gestärkt habe. Die Zeitung «Svenska Dagbladet» berichtet unter Berufung auf anonyme Polizeiquellen, dass Foxtrot auf dem Vormarsch sei. Der Grund: Majid lässt Kalaschnikows, Pistolen und Handgranaten aus Bosnien nach Schweden schmuggeln und verfügt über ein grösseres Waffenarsenal als seine Rivalen.

Ob die tödlichen Schüsse im Coiffeursalon in Uppsala etwas mit der alten Fehde von Majid und Abdo zu tun hatte, ist noch nicht bekannt. Laut Medienberichten soll aber zumindest eines der Opfer eine Verbindung zu Abdo gehabt haben. Der Geheimdienstchef Poljarevius möchte sich nicht zu einzelnen Personen äussern. Er sagt: «Wir müssen den Glauben daran bewahren, dass wir am Ende siegen werden. Aber wir müssen uns auch den brutalsten Tatsachen unserer Realität stellen.»

Klar ist: Die Probleme in Schweden reichen weit über einzelne Akteure wie Majid und Abdo hinaus. Sie aus dem Verkehr zu ziehen, würde die Gewalt nicht stoppen. Vielleicht – so eine These der schwedischen Medien – geht es bei den gegenwärtigen Schiessereien bereits um die Vorbereitung der Thronfolge.

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