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Startseite » Zwei Professorinnen wurden wegen einer Studie zu Frauen und Karriere beschimpft und verunglimpft. Nun sind sie rehabilitiert
Feuilleton

Zwei Professorinnen wurden wegen einer Studie zu Frauen und Karriere beschimpft und verunglimpft. Nun sind sie rehabilitiert

MitarbeiterBy MitarbeiterJuli 25, 2025
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Zwei Professorinnen wurden wegen einer Studie zu Frauen und Karriere beschimpft und verunglimpft. Nun sind sie rehabilitiert

Eine wissenschaftliche Arbeit über die beruflichen Ambitionen von Studentinnen löste vor zwei Jahren einen riesigen Proteststurm aus. Dies nur, weil die Resultate politisch nicht genehm waren, wie sich jetzt zeigt.

Die Entrüstung war von einer Dimension, wie sie die Universität und die ETH Zürich wohl noch selten erlebt hatten. Mehrere offene Protestbriefe wurden verfasst, darunter einer von 88 ETH-Professorinnen, bei einer Petition kamen fast 3000 Unterschriften zusammen, Journalistinnen schrieben in unzähligen Artikeln, weshalb eine solche Studie nicht seriös sein könne. Die beiden Studienautorinnen – zwei gestandene Professorinnen – wurden während Wochen diffamiert und beschimpft. Um die Wogen zu glätten, veranstaltete die Universität eine Podiumsveranstaltung, bei der die beiden Professorinnen wie auf einer Anklagebank sassen.

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Der Grund für die Hysterie ist im Nachhinein nur noch schwer nachvollziehbar. Die Soziologieprofessorin Katja Rost und die emeritierte Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh hatten von der Universitätsleitung den Auftrag erhalten, zu erforschen, woran es liegt, dass der Frauenanteil bei den Studierenden bei über 50 Prozent liegt, bei den Professoren aber nur noch bei rund 25 Prozent. «Leaky Pipeline», also tröpfelnde Leitung, heisst dieses Phänomen in der Fachsprache, wenn der Frauenanteil abnimmt, je höher die Hierarchiestufe ist.

Das Resultat, das die beiden Forscherinnen präsentierten, lautet kurz zusammengefasst: Nicht Diskriminierung ist hauptsächlich für die tröpfelnde Leitung verantwortlich, sondern die unterschiedlichen Präferenzen von Frauen und Männern. Mit anderen Worten: Frauen streben tendenziell weniger eine Karriere an, sie haben eher andere Prioritäten im Leben.

Eine Erkenntnis, die auf den ersten Blick banal erscheint und in der Wissenschaft auch hinlänglich bekannt ist. Doch für gewisse Aktivistinnen enthält sie trotzdem grosses Sprengpotenzial: Ein Teil der Frauenfördermassnahmen wird dadurch infrage gestellt, ebenso das Opfernarrativ, Frauen seien auch heute noch strukturell benachteiligt.

Nach dem Motto «Was nicht sein darf, kann nicht sein» begannen die Kritikerinnen damit, die zwei Forscherinnen zu desavouieren. Die Studie – die sich auf eine sehr umfangreiche Datenbasis stützte – sei unwissenschaftlich, hiess es, die Medien hätten zudem die Resultate reisserisch und einseitig dargestellt. Um Zweifel an der Seriosität zu streuen, wurde ständig betont, die Studie habe keine Peer-Review durchgemacht, also jene unabhängige Qualitätsüberprüfung, die vor einer Publikation in einem Wissenschaftsjournal üblicherweise vorgenommen wird. Auch die 88 ETH-Professorinnen griffen in ihrem offenen Brief zu diesem Kniff. «Nicht jede Studie erfüllt die Mindeststandards der Wissenschaft, daher ist es wichtig, auf die Peer-Review zu warten oder externe Expertise einzuholen», stand darin.

Die zwei Frauen seien wie «weisse alte Männer»

Unter den Kritikerinnen tat sich besonders die prominente ETH-Psychologin und Intelligenzforscherin Elsbeth Stern hervor. An der Podiumsdiskussion an der Universität Zürich stellte sie die beiden Autorinnen vor mehreren hundert Studierenden im Saal bloss, indem sie etwa behauptete, die Studie habe nicht einmal das Niveau einer Bachelorarbeit. Der selbsternannte Männervertreter Markus Theunert verstieg sich an derselben Veranstaltung zur Bemerkung, die zwei Studienautorinnen würden sich wie «alte weisse Männer» verhalten.

Nun zeigt sich: Die Kritik hatte mit der tatsächlichen Qualität der Forschung wenig zu tun. Denn mittlerweile hat die Studie entgegen allen Voraussagen den umfassenden Peer-Review-Prozess bestanden, kürzlich wurde sie unter dem Titel «Exploring the leaky pipeline» in der «European Management Review» veröffentlicht, einem respektierten Wissenschaftsjournal, das nur 10 Prozent der eingereichten Arbeiten annimmt.

Bei Katja Rost und Margit Osterloh ist die Genugtuung gross. «Damals wurde von den Gegnerinnen unsere methodische Kompetenz infrage gestellt – teilweise in beleidigender Form», schreibt Osterloh auf Linkedin. «Die Reviewer haben das ganz anders gesehen.» Dass sie mit der Studie an die Öffentlichkeit gegangen sind, bevor der Peer-Review-Prozess beim Journal abgeschlossen war, sieht sie nicht als Fehler. Dieser Überprüfungsprozess dauere oft mehrere Jahre, deshalb sei es in vielen Disziplinen üblich, die Resultate schon vorher zur Diskussion zu stellen, insbesondere, wenn ein gewisser Neuigkeitswert bestehe. Ausserdem sei die Studie vorher bereits auf zwei wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt und diskutiert worden. «Hätten wir uns im Sinne unserer Kritikerinnen verhalten, wäre die Studie im Sande versickert.»

Autorinnen loben Uni Zürich

Elsbeth Stern äussert sich auf Anfrage zurückhaltender als damals, hält aber an ihrer Kritik fest. Sie habe sich vor allem daran gestört, «wie die Autorinnen über das Ziel hinausgeschossen sind und Schlussfolgerungen gezogen haben, die nicht gedeckt waren». Daran habe auch die Publikation nichts geändert, obschon sie den Artikel in der «European Management Review» noch nicht gelesen habe, wie sie zugibt. Zwar sei schon in einer anderen Studie «sehr seriös nachgewiesen» worden, «dass eine strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft nicht länger nachgewiesen werden kann», aber die «pauschalen Aussagen» der beiden Zürcher Autorinnen seien für die Sache der Frauen im akademischen Betrieb nicht hilfreich gewesen.

Margit Osterloh kann mit dieser Kritik nichts anfangen. Für sie ist das Kapitel mit der Publikation nun abgeschlossen. «Die Sache war schmerzhaft», sagt sie, lobt aber die Universität Zürich, die auch im grössten Sturm hinter ihnen gestanden sei. «Das zeigt, dass die Wissenschaftsfreiheit in der Schweiz noch immer intakt ist.»

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