Das Sanitärunternehmen Geberit ist resistent gegen viele Risiken. Das macht die Aktien attraktiv für den langfristigen Vermögensaufbau.
Brummt es im Baugewerbe, geht es auch Geberit gut. Die Sanitärprodukte und -systeme des Unternehmens aus Rapperswil-Jona kommen weltweit im Wohn- und Gewerbebau zum Einsatz. Zu den Geberit-Klassikern zählen Spülsysteme für Toiletten, inklusive deren Kästen sowie Rohrleitungstechnik für Trinkwasser, Heizung und Gas. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Badkeramik, Möbel, Duschen, Badewannen, Armaturen und Bedienelemente sowie moderne Dusch-WC an.
Dank ihrer Marktführerschaft in fast allen Produktsegmenten profitiert Geberit von einer starken Preissetzungsmacht, was sich in den Gewinnmargen zeigt. Dies ungeachtet steigender Materialkosten und Lohninflation in vielen Regionen. Im laufenden Geschäftsjahr will das Unternehmen die Preise ab April wieder flächendeckend um 1% anheben, wie es auch sonst üblich war. Nur vergangenes Jahr hatte das Unternehmen darauf verzichtet.
Geberit profitiert von vielen Trends
Die Einführung neuer Produkte, wie etwa des Dusch-WC Alba und eines geräuschdämmenden Abflussrohrsystems, dürfte das künftige Volumenwachstum vorantreiben und Marktanteile ausbauen. Mit ihren sanitären Produkten, die Energie und Wasser sparen, profitiert Geberit von langfristigen Anlagetrends wie alternde Bevölkerung, zunehmende Urbanisierung sowie Nachhaltigkeit mit Fokus auf Wasser- und Papierknappheit.
Auch vor dem Thema künstliche Intelligenz (KI) duckt sich Geberit nicht weg, sondern will die Chancen nutzen. Chatbots werden im Kundensupport eingesetzt, autonome Roboter in den Fabriken. Auch setzt das Management auf digitales Marketing, um die Kundenbindung und Betriebsabläufe zu verbessern, was gut für die Margen sein sollte.
Der Konzern ist in der Schweiz, Europa, den Vereinigten Staaten, dem Nahen und Mittleren Osten, Afrika und in den Pazifikstaaten tätig. Gezielte Verkaufsinitiativen laufen in Indien und Saudi-Arabien, da in diesen Märkten der Bedarf steigt. Das Unternehmen vertreibt die Produkte an Grosshändler, Installateure, Architekten und Sanitärtechniker.
Der wichtigste Markt für Geberit ist Europa, wo rund 90% des Umsatzes erwirtschaftet werden. Besonders aktiv ist das Unternehmen in Deutschland (29% des Umsatzes). Da der deutsche Wohnungsbau vergangenes Jahr schwächelte und die Wohnbaugenehmigungen in ganz Europa rückläufig waren, gab es auch bei Geberit kleinere Dellen.
Höhere Steuern bremsen Gewinn
Der Gesamtumsatz lag im Vergleich zum Vorjahr zwar unverändert bei 3,08 Mrd. Fr. (+0,1%). In Landeswährungen resultierte jedoch ein Plus von 2,5%. Das Gewinnniveau konnte Geberit nicht ganz halten. Die Profitabilität wurde vom starken Franken, steigenden Löhnen und einer höheren Steuerrate belastet.
Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025 zeigte sich Geberit Anfang März vorsichtig und wenig konkret. Nach den starken Rückgängen im Baugewerbe seit Mitte 2022 erwartet das Management eine «Stabilisierung der Nachfrage im Jahresverlauf». Zudem hätten die geopolitischen und makroökonomischen Risiken weiter zugenommen, und der technologische Wandel werde durch Entwicklungen wie KI weiter beschleunigt.
Management stapelt tief
Doch möglicherweise ist das nur eine Seite der Medaille. Denn das Umfeld in Europa und speziell Deutschland verbessert sich. Gerade erst hat der künftige Bundeskanzler Friedrich Merz ein riesiges Finanzpaket für Infrastruktur durch den Bundestag gebracht. Insgesamt sollen über zehn Jahre rund 500 Mrd. € investiert werden. Deutschland könnte einen ähnlichen Bauaufschwung erleben wie unmittelbar nach der Covid-Pandemie 2021.
Die Infrastruktur im ganzen Land gilt als veraltet und baufällig. Die Analysten der US-Grossbank Citi schätzen, dass die Sonderausgaben für Infrastruktur die deutsche Bauleistung (geschätzt 475 Mrd. € für 2025) über zehn Jahre um jährlich 11% steigern würden. Bislang scheint das vereinbarte Paket vor allem auf den Schienen- und Strassenbau ausgerichtet zu sein. Doch es ist mit positiven Impulsen für die gesamte Binnenwirtschaft zu rechnen. Zudem sollte sich Verbraucherstimmung bessern, was Impulse für den Wohnungsbau setzen sollte, so die Schlussfolgerungen der Citi-Analysten.
Deutlich Marktanteile gewonnen
Geberit wiederum geht davon aus, dass die Fördermassnahmen in Deutschland sich nur auf etwa 5% des Umsatzes auswirken werden. «Aber das allgemein positive Sentiment könnte schon helfen», sagt Mediensprecher Roman Sidler im Gespräch mit The Market. Im vergangenen Jahr sei das Unternehmen trotz schlechter Marktbedingungen in Deutschland gut 2% gewachsen und konnte «deutlich» Marktanteile gewinnen, so Sidler. Mit anderen Worten: Auch wenn es im Baugewerbe nicht rund läuft, geht es Geberit besser als anderen. Das müssen sich Anleger merken.
In den USA wiederum erwirtschaftet Geberit nur 3% des Umsatzes. Dort kommen die Produkte aus der Schweiz hauptsächlich in Spitälern und Luxushotels zum Einsatz. Das kleine Sortiment wird vor Ort produziert. In Sachen Zölle ist das Management daher entspannt: «Wir erwarten keinen signifikanten Einfluss durch allfällige neue Zölle», sagte Finanzchef Tobias Knechtle an der Bilanzmedienkonferenz Anfang März.
Cashflow reicht für Investitionen und Aktionäre
Von den externen Faktoren abgesehen hat Geberit interne Restrukturierungs- und Investitionsvorhaben angekündigt. Im Keramikbereich wird die Produktionsstrategie effizienter. Die Werke sollen stärker fokussiert werden, und ein Standort in Deutschland wird geschlossen. Die dortige Produktion wird in andere Werke verlagert, 300 Stellen fallen weg. Ab 2026 sollen so rund 10 Mio. Fr. pro Jahr eingespart werden. Da die Produktion nur verschoben wird, rechnet das Unternehmen nicht mit Umsatzausfällen.
Der freie Cashflow sank im zurückliegenden Geschäftsjahr 2% auf 613 Mio. Fr. Dies wegen leicht niedrigerem Ertrag aus dem operativen Geschäft sowie höheren Zinskosten. Die Free-Cashflow-Marge (Free-Cashflow in Prozent des Umsatzes) erreichte 19,9% (Vorjahr 20,3%), was immer noch ein gesundes Zeichen ist. In den vergangenen fünf Jahren betrug die Free-Cashflow-Marge im Schnitt 20,8%.
Das Unternehmen wird demnach auch künftig in der Lage sein, zu investieren und eine steigende Dividende an die Aktionäre auszuschütten. 2024 hat Geberit 540 Mio. Fr. beziehungsweise 88% des freien Cashflows über Dividenden und ein Aktienrückkaufprogramm an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Dividendenrendite beträgt 2,3% (für 2024). Seit dem dritten Quartal 2024 hat Geberit ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 300 Mio. Fr. mit Laufzeit über zwei Jahre lanciert. Der aktuelle Rückkaufswert beträgt 121 Mio. Fr.
Geberit ist die Microsoft unter den Bauaktien
Die Rendite auf dem investierten Betriebskapital (Return on Invested Capital, ROIC) reduzierte sich im vergangenen Jahr minimal, hauptsächlich wegen der seit 2024 höheren Steuerrate (neue OECD-Mindestbesteuerung), betrug aber immer noch hohe 23% (Vorjahr 23,6%). Insgesamt gelingt es Geberit, eine ROIC von konsistent mehr als 20% zu erwirtschaften. Der Konzern schafft damit Jahr für Jahr Wert für seine Aktionäre.
Im Schnitt der vergangenen vier Jahre lag die ROIC bei 24,4%. Der Wert steht für die starke Marktposition und die Preissetzungsmacht von Geberit und ist vergleichbar mit Unternehmen, die im Technologiesektor tätig sind. Im Industriesektor wird durchschnittlich ein ROIC von 10% ausgewiesen. Die Leistung von Geberit entspricht also eher der von Microsoft als der von Volkswagen. Der Wettbewerbsvorsprung im Bereich der Dusch-WC und Rohrleitungen ist hoch.
Wie gut Geberit langfristig wirtschaftet, zeigt auch ein Blick auf die direkte Konkurrenz. Zwar sind die meisten Badspezialisten, wie etwa Duravit (Familienbesitz) oder Laufen (Roca-Gruppe) in privater Hand, was einen Vergleich schwer macht. Doch unter den kotierten Sanitär-Unternehmen ist Geberit am ehesten mit der Gruppe Lixil Water Technologies aus Japan gleichzusetzen, die vor gut zehn Jahren den Grohe-Konzern aus Deutschland übernommen hat und zu der auch American Standard Brands gehört.
Lixil mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 5 Mrd. $ (2024) konnte in den vergangenen vier Geschäftsjahren eine ROIC zwischen 1 und 4% ausweisen und schloss das Geschäftsjahr 2024 mit Verlust ab. Mitbewerber Toto, ebenfalls aus Japan, erwirtschaftet eine ROIC von rund 10%.
Bewertung ist hoch, aber gerechtfertigt
Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz von Geberit in den nächsten drei Jahren jährlich um 4,1% wachsen wird. Die Gewinnmarge sollte von heute 19,4 auf 20,3% in drei Jahren steigen, bis 2028 könnte im Idealfall ein Gewinn von bis zu 706,1 Mio. Fr. resultieren. «Wir halten Geberit für ein Spitzenunternehmen mit unterschätztem Wachstumspotenzial und den kurzfristigen Vorzügen von einem sich erholenden deutschen Markt», schreiben dazu die Analysten des US-Brokerhauses Stifel in einem aktuellen Kommentar.
Angesichts der künftigen geschätzten Leistung sind die Aktien Geberit mit einem KGV 31 für 2025 hoch bewertet, was aber gerechtfertigt ist. Die Free-Cash-Flow-Rendite (Free-Cash-Flow in Prozent des Unternehmenswerts) beträgt 3,5%.
Kursrückschläge stellen attraktive Einstiegsgelegenheiten dar. Geberit sind Aktien für konservative Anleger, die Wert auf einen langfristigen, steten Vermögensaufbau legen und einen ruhenden Pol für ihr Portfolio suchen. Seit Mitte 2022 tendieren die Titel eher seitwärts, in einer Bandbreite zwischen 490 und 560 Fr. Meldet sich europaweit und ganz besonders in Deutschland ein spürbarer Konjunkturaufschwung zurück, dürften die Titel zudem mit Kursgewinnen glänzen.