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Startseite » Jackie Chan muss mit 71 Jahren wieder einen Jungen trainieren – und kreiert dabei eine unterhaltsame Utopie zwischen China und Amerika
Feuilleton

Jackie Chan muss mit 71 Jahren wieder einen Jungen trainieren – und kreiert dabei eine unterhaltsame Utopie zwischen China und Amerika

MitarbeiterBy MitarbeiterMai 29, 2025
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Jackie Chan muss mit 71 Jahren wieder einen Jungen trainieren – und kreiert dabei eine unterhaltsame Utopie zwischen China und Amerika

Der Film «Karate Kid: Legends» ist ein deftig-dramatischer Spass. Und eine Aussöhnung verfeindeter Systeme.

Die Sinnspruchdichte dieses Films ist erstaunlich: «Man muss sich von einem Stein in einen Strom verwandeln», «Wenn du dich der Sache nicht annimmst, nimmt sie sich deiner an», «Es geht nicht ums Kämpfen. Es geht darum, nicht aufzugeben». Man glaubt, die Jugend – Zielgruppe des Films ist mutmasslich die Gen Z und alles darunter – sei weiterhin mit Kalendersprüchen erziehbar. Aber da es sich um Karate und Kung-Fu handelt und wie sie das Leben bereichern, geht das in Ordnung. Der Ferne Osten ist als Wissenslieferant seit je gefragt. Gerade im Westen, wo die moderne Ratio alles irgendwie kompliziert macht, während dort, wo die Sonne aufgeht, auch die Gemüter erhellt werden von altem Einheitswissen und -denken.

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«Karate Kid: Legends», inszeniert von Jonathan Entwistle, ist so gesehen ein Aussöhnungswerk: Was in realpolitischer Perspektive immer weiter auseinanderdriftet, wenn nicht zerfällt, kommt hier popkulturell wieder zusammen. China auf der einen, Amerika auf der andern Seite: Es geht doch, möchte man nach Ansicht dieses im Stil eines Videoclips inszenierten Schlagabtauschs sagen. Denn am Ende hat sich das Programm des Ostens – Akzeptanz, Gelassenheit, Würde – mit dem ideologischen Projekt des Westens – Konkurrenz, Gewinnstreben, Expansion – ausgesöhnt. Dies alles in der Klischeeversion, klar, aber immerhin.

Unkontrollierbare Leidenschaft und Fäuste

Auf Handlungsebene geht das so: Der Teenager Li (Ben Wang) kommt aus Peking nach New York, verliebt sich dort in das Teenager-Girl Mia (TV-Serienstar Sadie Stanley), eine Latina, die aber noch lose verbandelt ist mit Connor (Aramis Knight), einem Karate-Hitzkopf, der seine Leidenschaft ebenso wenig unter Kontrolle hat wie die Fäuste. Dass ihm ein chinesischer Hänfling die Beinahe-noch-Freundin ausspannt, geht gar nicht. Schulhofkämpfe, Prügeleien auf der Strasse, im Finale: der grosse Fight auf einem Hochhausdach in Midtown Manhattan.

Damit auch was für ältere Millennials und die Generation X dabei ist – die kaufkräftige Zielgruppe, die Parkhaus und Popcorn finanzieren kann –, hat Mia einen coolen Vater (Joshua Jackson), Neudeutsch: Dad. Er betreibt eine jener urigen Pizzaläden in New York, wo man die Böden noch mit dem Wischmopp reinigt und die Kasse «katsching!» macht. Der Mann war früher einmal Box-Champion, jetzt wollen ihm Schutzgelderpresser ans Leder. Deshalb muss auch er trainieren. Der Begriff Daseinskampf wird in dieser mild sozialdarwinistischen Story ernst genommen. Wenn das Leben reinhaut: Hau zurück.

Weil jeder Schüler den entsprechenden Mentor braucht, kommen dazu: Daniel (Ralph Macchio), der Held aus den drei «Karate Kid»-Filmen der 1980er Jahre. Und Jackie Chan, Hollywoods Fachkraft für Kung-Fu und Knochenbrüche; ein Wunder, dass sich der Mann mit 71 noch bewegen kann. Sie trainieren Li, und natürlich sind die klug-verstiegenen Variationen der Kampfsport-Choreografie wieder dabei. Daniel musste 1984 zu Trainingszwecken eine Wand streichen, Li muss nun eine Jacke wenden, anziehen und dabei Sit-ups machen. Man sollte das alles nicht für bare Münze nehmen – eine solche Sporteinheit würde die meisten Leute in die Reha befördern.

Import des Innovationswillens

Stilistisch ist das alles zeitgemäss wie ein Reel formuliert, einem Kurzvideo auf Instagram, das mit Musik und einer Reihe von Effekten unterlegt ist. Kamerafahrten auf Adrenalin, extreme Winkel, Zeitraffer, dazu bretternder Hip-Hop-Soundtrack. Sollte dem Stadtmarketing von New York das Geld ausgehen, kann es den Film als Promo-Werk nutzen. Vor allem Chinatown erscheint als die bunt-heitere Kulisse, von der Touristen sich erhoffen, dass sie genau so aussieht. Und weil Akrobatik und Prügeleien nicht abendfüllend sind, ist in die Kampfsport- und Selbstermächtigungs-Sause auch eine zarte Mutter-Sohn-Geschichte gewoben – aber es soll jetzt nicht alles verraten werden.

Was ein amerikanischer Präsident, der sich im Streit mit China befindet, dazu sagen würde? Vielleicht ist das die geheime Hoffnung: Dass man Chinas Kampf- und Innovationswillen importieren könnte, bei gleichzeitiger kultureller Aussöhnung. «Karate Kid: Legends»: eine unterhaltsame Utopie.

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