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Startseite » Priester der Gen Z: Zigtausend Zeilen singt und rappt der kanadische Musiker während seines Konzerts. Man kann sie zusammenfassen mit: Drake, Drake, Drake
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Priester der Gen Z: Zigtausend Zeilen singt und rappt der kanadische Musiker während seines Konzerts. Man kann sie zusammenfassen mit: Drake, Drake, Drake

MitarbeiterBy MitarbeiterAugust 12, 2025
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Priester der Gen Z: Zigtausend Zeilen singt und rappt der kanadische Musiker während seines Konzerts. Man kann sie zusammenfassen mit: Drake, Drake, Drake

Den Streit der übergrossen Egos gegen den Kollegen Kendrick Lamar mag Drake verloren haben. Im Zürcher Hallenstadion ist der kanadische Rapper aber noch immer der Beliebteste auf dem Pausenplatz.

Wie ein Zeremonienmeister beugt er sich nach vorne, wenn er versucht, alle in der Menge einmal anzusingen. Bei Drake ist das Teil des grossen Wohlfühlprogramms. Er ruft «babygirls» und «guys» im Publikum direkt an, will, dass jeder und jede an diesem Montagabend im Hallenstadion in Oerlikon die beste Zeit hat. Einmal spricht er sogar von «lebensverändernd».

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Drake ist weniger der Rapper, der die Strasse repräsentiert, als der Architekt einer globalen Pop-Bühne, auf welcher er selbst den zentralen Platz einnimmt. Er vereint sentimental («Marvins Room»), aggressiv («IDGAF») und massentauglich («Nokia») in einer Show – und wirkt dabei, als hätte er einfach über 10 000 Freunde der Generation Z eingeladen.

Nicht wütend, aber enttäuscht

Die Bühne zieht sich wie ein Ring um die ganze Fläche des Hallenstadions, sie schwebt nur knapp über dem eingekreisten Publikum auf den Stehplätzen. Drake steht da fast greifbar nah und auf Augenhöhe mit denen auf den Rängen. Wenn man beim Mitsingen einen Texthänger haben sollte, könnte er einen erwischen. Er wäre wohl nicht wütend, er wäre enttäuscht.

Keiner sitzt mehr, als er überhaupt nur die Halle betritt. Die Fans im fast ausverkauften Stadion brüllen jede Zeile mit, von Anfang an. Zigtausend Worte fallen im Verlauf des über zweistündigen Medleys seiner Songs. Man kann sie zusammenfassen mit: Drake, Drake, Drake.

Drakes Musik drehte und dreht sich mit grosser Ernsthaftigkeit um ihn selbst. Erst beschäftigt ihn die eigene Vergangenheit als Scheidungskind, dann die daraus resultierende Vergötterung seiner Mutter und schliesslich sein wiederum daraus resultierender Frauenverschleiss.

Richtig gut läuft es nie in seinen Songs, manchmal läuft es sogar richtig mies. Auch und gerade wenn er rappt, schwebt die Stimme immer mit feiner Amplitude und sanfter Melancholie über dem Blubberbass und den Zitter-Zappel-Hi-Hats. Seine Kunstpausen sind unberechenbar, das Timing ist perfekt.

Weniger Machtkampf, mehr Netzwerkpflege

Drake, bürgerlich Aubrey Graham, 1986 in Toronto geboren, ist seit über einer Dekade so unglaublich erfolgreich, dass er regelmässig als legitimer Erbe des «King of Pop» Michael Jackson gehandelt wird – natürlich nicht, wenn man Kendrick Lamar fragt.

«$ome $pecial $hows 4 EU» ist Drakes erste Tour seit dem düsteren Schlagabtausch mit dem Rapper aus Los Angeles. In dessen Verlauf wurde Lamars «Not Like Us» – ein Song über Drakes angebliche Vorliebe für zu junge Frauen – zu einer Pop-Hymne, einem Grammy-Gewinner und Anfang 2025 zu einem Super-Bowl-Halbzeitshow-Highlight. Abende wie dieser im Hallenstadion, den Drake am Dienstag noch einmal wiederholt, dienen nun der Netzwerkpflege, sicher auch dem Ego. Und sie sind ein Statement gegen das enge Korsett, das Lamars Anhänger dem Hip-Hop seiner Meinung nach anlegen wollen: Drakes Vision ist nicht puristisch, sondern expansiv.

Britischer Drill, jamaicanischer Dancehall, nigerianische Afrobeats, südafrikanischer Amapiano – das musikalische Universum ist sein globaler Marktplatz, auf dem Genres ausgetauscht werden. Sein Auftritt, bei dem Drake alle seine Entwicklungsstadien einmal durchspielt, dient als Mikrokosmos für den Wandel, den er in seiner eigenen Karriere vollzogen hat: weg vom klassischen Hip-Hop-Machtkampf, hin zu einer Art Pop-Architektur, in der alles Platz hat, solange es unter seinem Dach stattfindet.

Mit «Thank Me Later» (2010) und vor allem «Take Care» (2011) verschmolz Drake introspektiven Rap mit R&B-Sensibilität. Er etablierte damit den Emo-Rap-Mainstream, in dem Verletzlichkeit und Luxus-Referenzen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. In den sozialen Netzwerken hat er sein eigenes Referenzsystem geschaffen, in dem es vorrangig um ihn geht – ein Resonanzkörper, in dem er sich bis ins Unendliche spiegeln kann.

In Spielfilmlänge ackert sich Drake durch seinen Auftritt. Er ist mehrmals von ganz links aussen nach ganz rechts aussen gehetzt und wieder zurück – vorbei an meterhohen Flammenwerfern, begleitet von unermüdlich hüpfenden Fans. Den Streit gegen den Kollegen Kendrick Lamar mag Drake verloren haben. Im Zürcher Hallenstadion ist der kanadische Rapper aber noch immer der Beliebteste auf dem Pausenplatz.

Das zweite Konzert von Drake findet am 12. August im Zürcher Hallenstadion statt.

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