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Startseite » SRF, Israel und die «absolute Hölle auf Erden»
Feuilleton

SRF, Israel und die «absolute Hölle auf Erden»

MitarbeiterBy MitarbeiterAugust 7, 2025
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SRF, Israel und die «absolute Hölle auf Erden»

Einmal mehr steht der öffentliche Sender wegen seiner Gazastreifen-Berichterstattung in der Kritik. SRF distanziert sich nachträglich von einer Aussage eines Interviewpartners.

Die SRF-Redaktion hat wohl selbst gemerkt, dass sie hier zu weit gegangen ist. Nach einem Radio-Interview mit Stephen Cornish, dem Schweiz-Chef des Hilfswerks Ärzte ohne Grenzen, fügte sie auf dem Online-Portal des Senders den Hinweis an: «SRF hat Cornishs Worte übersetzt, teilt dessen Einschätzung jedoch nicht.»

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Dass sich ein Medium von einer Aussage eines Interviewpartners distanziert, kommt äusserst selten vor – schliesslich werden solche Gespräche genau zu dem Zweck geführt, dass eine aussenstehende Person ihre Sichtweise darlegen kann. Als Grund für die Distanzierung gibt SRF an, Stephen Cornish habe «zwei Mal den Begriff ‹Völkermord› bzw. ‹Genocide›» verwendet, was bisher noch kein Gericht festgestellt habe. «SRF stützt sich auf die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes der Vereinten Nationen.»

Dieses eine Wort dürfte kaum der einzige Grund sein für das aussergewöhnliche Vorgehen: Denn was sich Radio SRF im «Rendez-vous am Mittag», mit rund 400 000 Hörern die beliebteste Nachrichtensendung der Schweiz, geleistet hat, ist nur schwer mit den eigenen journalistischen Richtlinien vereinbar – und hat wahrscheinlich selbst bei israelkritischen Hörern für Verwunderung gesorgt.

An allem sei allein Israel schuld

Stephen Cornish sagte in dem Interview: «Jeden Tag (. . .) sehen wir sich erholende Patienten, die Schlange stehen, um Nahrungsmittel zu erhalten, und leider von der israelischen Armee erschossen werden.» Er spricht von einer «absoluten Hölle auf Erden», von «wahllosen Angriffen», von «hungernden Kindern», von «Erschiessungen von Zivilisten». Für all diese Ungeheuerlichkeiten sei einzig und allein Israel verantwortlich.

Die Journalistin liess Cornish einfach reden, ohne eine einzige kritische Nachfrage, ohne jegliche Einordnung. Die Hamas, die die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde benützt und einen beträchtlichen Teil der Hilfslieferungen stiehlt, kam in dem Beitrag überhaupt nicht vor. Unerwähnt blieb auch, dass kürzlich eine ganze Reihe von arabischen Staaten die Hamas aufgefordert hat, die Waffen niederzulegen und die Geiseln endlich freizulassen, um das Leid zu beenden. Für Cornish liegt alles «allein in den Händen der israelischen Regierung und der israelischen Verteidigungskräfte», die grundlos unschuldige Menschen abschlachteten. SRF liess das einfach so stehen, als handle es sich um eine unbestrittene Tatsache.

Es wirkt wie Schadensbegrenzung

Der Sender steht wegen seiner Berichterstattung zum Krieg im Gazastreifen immer wieder in der Kritik, was bei einem derart emotionalen Thema unvermeidlich ist. Allerdings hat auch schon die Unabhängige Beschwerdeinstanz SRF dafür gerügt, in der Angelegenheit Israel/Palästina gegen das Vielfaltsgebot zu verstossen, also zu einseitig berichtet zu haben.

Das Schweizer Radio und Fernsehen sagt auf Anfrage, es berichte «breit und vielfältig» über den Konflikt und verweist auf eine Seite auf srf.ch, auf der alle Beiträge dazu gebündelt sind. «Im konkreten Fall ging es darum, im Sinne eines Experten- oder Augenzeugenberichts Wahrnehmungen, Sichtweisen und Einschätzungen zur aktuellen Situation in Gaza abzubilden.» Der Vertreter von Ärzte ohne Grenzen sei «legitimiert, sich zur humanitären Lage in Gaza zu äussern».

Dass sich SRF im Nachhinein auf der Online-Plattform von einer Aussage des Interviewten distanziert, weist darauf hin, dass man die Sache selbst als nicht ganz so harmlos bewertet. Viel eher sieht es nach Schadensbegrenzung aus. Weshalb hat man nicht schon während der Sendung reagiert? «Das wäre in der Tat besser gewesen, wurde in der Eile während der Produktion jedoch nicht realisiert», schreibt SRF. «Wichtig ist jedoch, dass die Einordnung zeitnah nachgeliefert und transparent gemacht wurde.» Bloss, dass eine solche nachträgliche «Einordnung» kaum mehr jemand wahrnimmt.

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