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Startseite » «Wir haben alle eine ordentliche Summe in die Hand genommen – und das ist auch richtig so»
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«Wir haben alle eine ordentliche Summe in die Hand genommen – und das ist auch richtig so»

MitarbeiterBy MitarbeiterJuli 3, 2025
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«Wir haben alle eine ordentliche Summe in die Hand genommen – und das ist auch richtig so»

Die NZZ verkauft das Zurich Film Festival an die Festivalleitung. Direktor Christian Jungen erklärt, weshalb er das Risiko auf sich nimmt und was seine Pläne sind.

Zehn Jahre lang stand das Zurich Film Festival (ZFF) unter dem Dach der NZZ. Nun stösst das Medienhaus die Kulturveranstaltung an eine Eigentümergruppe um Festivaldirektor Christian Jungen und Moderator Max Loong ab.

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Herr Jungen, Sie übernehmen privat mit vier Wegbegleitern das Zurich Film Festival. Wie kam es dazu?

Die NZZ suchte seit einigen Monaten nach einem Käufer. Meine Aufgabe war es, den Interessenten das Unternehmen zu präsentieren. Ständig wurde ich dabei gefragt, ob ich als Direktor bleibe. Ein solches Festival hängt stark von den Personen ab: Es ist zentral, dass jemand mit guten Kontakten am Ruder ist, der ein Star wie Kate Winslet nach Zürich holen kann. Und der auch sonst in der Lage ist, ein gutes Programm zusammenzustellen. Deshalb haben mich einige Leute auch dazu ermuntert, selber einzusteigen, ich sei ja das Gesicht des Festivals. Ich fand das eine gute Idee: Mich hat es schon lange gereizt, unternehmerisch tätig zu werden.

Wie hoch ist Ihr Anteil?

Das legen wir nicht offen, aber mein Anteil ist der höchste.

Sie kommen nicht aus reichem Haus. Mussten Sie sich verschulden?

Verschulden nicht, aber ich habe mein Erspartes aus all den Jahren reingesteckt. Ich bin ein sparsamer Mensch, habe keine Laster, da ist einiges zusammengekommen. Dass wir alle mit unserem privaten Geld drin sind, ist ein guter Antrieb: Wir müssen uns nun Mühe geben, neue Sponsoren und Donatoren zu finden. Und nicht zuletzt erhoffen wir uns auch einen höheren Beitrag der öffentlichen Hand. Bis jetzt erhalten wir eine halbe Million Franken von der Stadt Zürich, das ist sehr bescheiden für eine Veranstaltung dieser Grösse.

Über den Verkaufsbetrag wird nichts kommuniziert. Ist das Festival, das kaum je nennenswerte Gewinne schrieb, mehr wert als ein symbolischer Betrag?

Ja. Wir haben alle eine ordentliche Summe in die Hand genommen, und das ist auch richtig so. Allein unsere Anwaltskosten für die Transaktion entsprechen mehreren Monatslöhne von mir. Aber ich sage mir: Was nichts kostet, ist nichts wert. Nun wollen wir den Wert des Festivals aber natürlich weiter steigern.

Sie waren bisher immer stolz darauf, dass sich das Festival zu einem sehr hohen Grad selbst finanziert. Weshalb soll der Staat mehr bezahlen?

Ich würde sagen, nach dem Zoo ist das ZFF die am breitesten abgestützte Institution in Zürich. Beim Ticketverkauf sehen wir, dass ein Grossteil unserer Besucher aus der Stadt kommt, und zwar aus allen Quartieren. Jedes Jahr haben wir 500 freiwillige Helfer, insgesamt haben also schon Tausende von Menschen für uns gearbeitet oder kennen jemanden, der das getan hat. Wir haben ein starkes Kinderprogramm, das auch viele Schulklassen anlockt. Das alles zeigt, wie stark wir verankert sind. In der Kulturpolitik wird ständig von der «kulturellen Teilhabe» gesprochen, wir bieten sie wie sonst kaum eine andere Institution.

Vor einigen Jahren übernahm das ZFF das Kino Kosmos und führte es unter dem Namen Frame weiter. Das Kino ist ständig leer. War das Ihr bisher grösster Fehler als Direktor?

Nein. Das Kino war schon früher wichtig für das Festival. Als das Kulturzentrum Kosmos Konkurs ging, haben wir die sechs modernen Kinosäle vor der Schliessung gerettet. Um ein solches Kino zu betreiben, braucht es einen Profi und Mittel für das Marketing, beides hatten wir nicht. Das war im Nachhinein tatsächlich ein Fehler. Aber ich bin froh, dass wir nun mit dem Oltner Kinounternehmer Konrad Schibli einen sehr kompetenten Betreiber gefunden haben.

Wird sich inhaltlich beim Zurich Film Festival etwas ändern?

Nein. Wir wollen weiterhin neue Talente entdecken und jene Filme zeigen, die ein halbes Jahr später einen Oscar gewinnen. Mein Motto war immer: Ich zeige etwas, weil ich davon überzeugt bin, und nicht, weil ich mir davon kommerziellen Erfolg erhoffe. Das hat sich sehr bewährt. Ständig kommen Leute zu mir und sagen, diesen oder jenen Star hätten sie zum ersten Mal bei uns gesehen. Natürlich werden wir auch weiterhin ab und zu Blockbuster-Filme zeigen, wenn die entsprechenden Stars uns besuchen. Daran haben alle Freude, auch ich.

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