Das legendäre Tanz-Work-out erfreut sich fast 25 Jahre nach seiner Erfindung plötzlich wieder wachsender Beliebtheit. Was ist da los?
Zumba ist wieder da. Okay, um genau zu sein: Zumba war nie weg. Es wurde nur zeitweilig ziemlich ruhig um die Tanzsportart. Die selbst so gar nicht ruhig ist: Zu mitreissender, im weitesten Sinne lateinamerikanischer Musik wie Salsa, Merengue, Reggaeton und Cumbia werden Tanzbewegungen mit Aerobic kombiniert.
Feste Choreografien gibt es beim Zumba nicht, auch wenn Schritte und Armbewegungen zu bestimmten Liedern vorgeschlagen werden. Den Trainern und Trainerinnen gibt das den Spielraum, ihre Stunden individueller zu gestalten.
Entwickelt wurde das Tanz-Work-out 2001 von Alberto «Beto» Pérez, einem kolumbianischen Tanzlehrer und Fitnessinstruktor. Er war nicht der Erste, der Tanz und Sport kombinierte. Aber der Erste, der ein globales, markengeschütztes Fitnesskonzept in diesem Bereich entwickelte – und es damit zu Reichtum brachte.
Denn die Marke rund um das Kunstwort ist geschützt. Zumba-Instruktorin oder -Instruktor darf sich nur nennen, wer einen kostenpflichtigen Kurs absolviert hat. Danach kann man ebenfalls kostenpflichtige Fortbildungen besuchen: In den Bereichen «Gold Zumba» (für Best Agers), «Aqua Zumba» (im Wasser), «Zumba Kids» (für Kinder) zum Beispiel. Bei mehr als 10 000 Instruktorinnen und Instruktoren weltweit kommt da ziemlich etwas zusammen.
Alberne Bewegungen?
Von Beginn an wurde Zumba belächelt. Die manchen albern erscheinenden, oft schlecht ausgeführten Bewegungen. Die Sportkleider in fiesen Farben, die unter dem Label angeboten werden. Und vor allem: die Fröhlichkeit, die vielen aufgesetzt erscheint, fast schon aufdringlich. Dabei liegt gerade in ihr der Schlüssel zum Erfolg der Sportart. Sobald man die Befürchtung aufgegeben hat, sich lächerlich zu machen. Denn: Die Bewegungen sind einfach, die Musik mitreissend. Und Fehler? Stören niemanden. Hier geht es nicht um eine perfekt getanzte Choreografie. Zumba soll Spass machen.
Und darin unterscheidet es sich von den meisten anderen Sportarten, egal, ob allein oder in der Gruppe. Sich zu amüsieren, ist etwas, was im Zusammenhang mit Körperertüchtigung erschreckend wenig zu zählen scheint. Verbissene Gesichter beim Joggen. Ernste Mienen beim Pilates. Verzweifelte Blicke beim Spinning. Sport scheint für erschreckend viele etwas zu sein, das nichts damit zu tun hat, sich währenddessen gut zu fühlen. Es geht nur um die Resultate.
Diese kann Zumba allerdings auch vorweisen: Nicht nur die Kondition wird trainiert, in einer Stunde kann man etwa 400 bis 800 Kalorien verbrauchen. Zum Vergleich: Beim gerade sehr angesagten Reformer-Pilates sind es «nur» 200 bis 400.
Steigendes Interesse an Zumba
Nun steigt das Interesse an Zumba wieder: als Gruppensport im Studio, wie auch die Fitnessstudiokette Activ Fitness auf Anfrage bestätigt, aber auch die App, die erst 2020 während der Corona-Zeit entwickelt und lanciert wurde, wird vermehrt beworben und heruntergeladen. 2022 wurde sie um die kostenpflichtige Erweiterung «Zumba+» ergänzt, mit der spontan Trainierende und Schüchterne auch Zuhause tanzen können.
Auch die nächste Generation scheint sich für das Tanz-Work-out zu begeistern: 1,2 Millionen folgen dem Brand auf Tiktok. Dass das schweisstreibende Tanztraining plötzlich wieder so gut ankommt, hat womöglich damit zu tun, dass die nuller Jahre nach wie vor sehr angesagt sind – das betrifft die Mode (bauchfreie Tops und Chunky Sneaker lassen grüssen) ebenso wie sportliche Aktivitäten. Gut möglich aber auch, dass das düstere Weltgeschehen die Menschen auf die Fitnesstanzfläche treibt: Sie holen sich Freude, wo sie nur können. Auch wenn das heisst, seine Scham zu überwinden und loszutanzen.