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Startseite » Jede Nacht brennt eine weitere Erdölanlage – die Ukrainer zielen auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft
Welt

Jede Nacht brennt eine weitere Erdölanlage – die Ukrainer zielen auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft

MitarbeiterBy MitarbeiterMärz 18, 2024
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Jede Nacht brennt eine weitere Erdölanlage – die Ukrainer zielen auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft

Innerhalb einer Woche haben die Ukrainer sieben russische Erdölraffinerien in Brand geschossen. Möglich wurde dies dank neuen Drohnen mit hoher Reichweite. Die Angriffswelle ist für Russland eine strategische Gefahr.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich die letzten Tage bis zu seiner manipulierten Wiederwahl zweifellos störungsfreier vorgestellt. Doch fast jeden Morgen kursieren neue Videos von Bränden in russischen Erdölanlagen. In der Nacht auf Sonntag traf es eine Raffinerie in der Nähe des Schwarzen Meeres, einen Tag vorher zwei Raffinerien in der Provinz Samara an der Wolga. Insgesamt haben die Ukrainer mit Drohnenangriffen seit dem vergangenen Dienstag sieben Anlagen in Brand geschossen.

In Syzran and in Novokuybyshevsk, both #Samara region, #Russia, there are fires at local oil refineries following attack UAV strikes this morning. Distance from #Ukraine’s border is ~800-850 km:

pic.twitter.com/pAit2AMhvv

— Alex Kokcharov (@AlexKokcharov) March 16, 2024

Die ukrainische Angriffswelle verfolgt zweifellos strategischere Ziele, als nur Putins Wahltheater zu stören. Die Erdölindustrie ist mit Abstand die wichtigste Geldquelle für den russischen Staat und damit ein entscheidendes Mittel zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine. Daran haben auch die Sanktionen der EU und der USA nur wenig geändert, weil Russland für sein Rohöl – wenn auch mit einem Preisabschlag – neue Abnehmer wie Indien gefunden hat.

Angesichts der Löcher im westlichen Sanktionsregime drängt es sich für die Ukraine auf, die Sache selber in die Hand zu nehmen und die russische Erdölindustrie näher an der Quelle zu treffen. Lange Zeit war sie dafür militärisch nicht in der Lage. Bis Ende letzten Jahres gab es nur wenige Angriffe auf die gegnerische Energieinfrastruktur, zumeist in grenznahen Gebieten. Doch neue Drohnenentwicklungen haben die Ausgangslage verändert.

Von Erdölterminals zu Raffinerien

Im Januar liess eine erste Angriffswelle aufhorchen. Ukrainische Drohnenangriffe beschädigten unter anderem Verladeanlagen in zwei grossen Exporthäfen an der Ostsee, Ust-Luga und Primorsk. Die russischen Ausfuhren wurden dadurch zwar nur für wenige Wochen beeinträchtigt. Doch die Attacke war der Beweis dafür, dass ukrainische Kampfdrohnen inzwischen eine Reichweite von fast 1000 Kilometern besitzen.

Nach einer Pause führt Kiew nun eine zweite Angriffswelle aus. Sie ist massiver und hat zugleich einen anderen Charakter. Diesmal stehen nicht mehr Erdölterminals im Visier, sondern Anlagen der Erdölverarbeitung. Damit zielen die Ukrainer weniger auf die russischen Exporterlöse als auf die Versorgung des Landes mit Benzin und Diesel. Auch Russlands Armee, die für ihre Operationen auf grosse Mengen Treibstoff angewiesen ist, soll die Knappheit zu spüren bekommen – so zumindest die Hoffnung.

Beeindruckend ist dabei nicht nur die Häufigkeit der Treffer, sondern auch die geografische Ausdehnung der Drohnenflüge. Belegt sind neben den erwähnten Angriffen auch Brände in Raffinerien im Süden Russlands, im Moskauer Umland und in Kstowo nahe der Wolga-Metropole Nischni Nowgorod. Wiederholt angegriffen, aber offenbar erfolglos, wurde ferner eine grosse Raffinerie bei St. Petersburg. Beide Grossstädte befinden sich rund 800 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Territorium entfernt.

Drohnenangriffe auf russische Erdölanlagen 2024

Besonders bedeutsam ist der Schaden an der Raffinerie von Rjasan südöstlich von Moskau, einer der grössten des Landes. Insgesamt sollen die Angriffe von dieser Woche gut zehn Prozent der russischen Raffineriekapazitäten ausgeschaltet haben. Ob das zutrifft und wie lange die Ausfälle anhalten, bleibt abzuwarten. Grosse Anlagen zur Herstellung von Benzin und Diesel besitzen Russlands Erdölkonzerne auch östlich des Urals; sie befinden sich ausserhalb der Reichweite ukrainischer Drohnen.

Aber auch eine relativ kleine Verknappung kann erhebliche Preissteigerungen und damit Härten für die russische Wirtschaft bewirken. Der Preis von russischem Normalbenzin ist seit Anfang Jahr um die Hälfte gestiegen und liegt einen Viertel über dem Stand vor einem Jahr. Um den Preisanstieg im Inland zu bremsen, hat die Regierung schon vor drei Wochen ein Ausfuhrverbot für Benzin erlassen.

Ein «tobendes» Fluggerät

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat vergangene Woche in seinen Videoansprachen Bezug auf die Angriffswelle genommen und klargemacht, dass es darum gehe, die Finanzierung des russischen Krieges zu behindern. Wenig ist jedoch bekannt über die Bauart der eingesetzten Drohnen. Offenbar handelt es sich um verschiedene Typen. In Expertenkreisen wird vor allem über eine ukrainische Eigenentwicklung namens Ljuti diskutiert. Dieses Wort bedeutet «der Tobende» und ist zugleich der ukrainische Name des Monats Februar. Dieser Drohnentyp kam unter anderem beim Angriff in Rjasan zum Einsatz.

Wrackteile zeigen, dass die Ljuti-Drohnen grösser als alle bisherigen ukrainischen Eigenentwicklungen sind und entsprechend Platz für einen grösseren Sprengsatz bieten dürften. Mit ihrem doppelten Leitwerksträger und dem Heckpropeller ähnelt diese Drohne äusserlich den türkischen Bayraktar-Drohnen, aber sie hat andere Eigenschaften und wird als Kamikazegerät eingesetzt.

Unklar ist, weshalb die ukrainischen Drohnen praktisch täglich die russische Flugabwehr ausmanövrieren können, selbst bei strategisch wichtigen Anlagen. Eine plausible Erklärung liegt in der überwältigenden Zahl der Angriffe. Folgt man den russischen Angaben, so kamen allein in der vergangenen Woche gegen 200 Drohnen zum Einsatz.

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