Die Lohnverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und den Bahnbeschäftigten erreichen diese Woche ihren entscheidenden Höhepunkt. Sollte bis Freitag keine Einigung erzielt werden, müssen die Fahrgäste nächsten Monat mit störenden Bahnstreiks rechnen.
Diese Woche wird für die Deutsche Bahn (DB) und ihre Fahrgäste eine entscheidende: Die Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) treffen sich zur letzten Tarifrunde vor dem Ende der Friedensverpflichtung (ein vereinbarter Streikverbotszeitraum).
Grundsätzlich fordern die Lokführer der DB bessere Konditionen und eine höhere Lohnerhöhung, als die Deutsche Bahn bisher bereit war zuzustimmen.
Gelingt es beiden Seiten nicht, bis Freitag zu einer Einigung zu gelangen, könnte der März von einer Reihe von Bahnstreiks bei der DB geprägt sein, die zu weitreichenden Störungen im lokalen und überregionalen Zugverkehr führen würden.
Kommt es zu einem Kompromiss, wäre es die erste Tarifverhandlung seit 2018, bei der die GDL den bundesweiten Bahnverkehr nicht mit Arbeitskampfmaßnahmen lahmlegt.
In dieser Woche findet die fünfte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifstreit statt.
Der bisherige Tarifvertrag lief Ende Dezember aus. Bis einschließlich Februar gilt eine Friedenspflichtfrist, in der die GDL weder zu Streiks noch zu Warnstreiks aufrufen darf.
Wie wären die Passagiere betroffen?
Wenn die GDL zu Warnstreiks der DB aufruft, müssen Fahrgäste in Deutschland mit erheblichen Beeinträchtigungen im Zugverkehr im ganzen Land rechnen.
Bei Streiks fällt häufig eine große Zahl fahrplanmäßiger Züge aus oder verspätet sich, darunter Hochgeschwindigkeits-Intercity-Züge (ICE, IC und EC) sowie Regionalzüge (RE und RB) und Nahverkehrs-S-Bahnen in vielen deutschen Städten.
Warnstreiks werden in der Regel mindestens 24 Stunden im Voraus angekündigt. Wenn Sie also auf den Zug angewiesen sind, um zur Arbeit zu gelangen, oder im März eine Zugreise planen, sollten Sie The Local im Auge behalten, um die neuesten Streik- und Reisenachrichten zu erhalten.
F&A: Welche Regeln gibt es in Deutschland, wenn man aufgrund von Streiks zu spät zur Arbeit kommt?
Was fordern Arbeitnehmer?
Die Hauptforderung der Gewerkschaft sind acht Prozent mehr Geld für die Arbeitnehmer, wobei mindestens 3,8 Prozent davon durch eine Lohnerhöhung erreicht werden sollen.
Die weiteren Steigerungen will die Gewerkschaft durch einen Umbau des Tarifsystems erreichen, beispielsweise durch die Einführung eines neuen Lohnniveaus.
Die DB hatte ein erstes Angebot vorgelegt, das eine Lohnerhöhung um 3,8 Prozent in zwei Schritten und eine weitere Erhöhung um 2,2 Prozent durch Anpassungen des Tarifsystems vorsah. Zusätzlich bot die DB eine Einmalzahlung von 400 € an.
MEINUNG: Die Probleme der Deutschen Bahn sind zu groß, als dass ein neuer Chef sie lösen könnte
Ein großer Knackpunkt in den bisherigen Verhandlungen ist die Frage, wie lange die Laufzeit des Tarifvertrags dauern soll. Die Arbeitgeberseite drängt auf 30 Monate, während die GDL an 12 Monaten festhält.
Was sind Tarifverhandlungen?
Wenn Sie neu in Deutschland sind und aus einem Land ohne starke Gewerkschaften kommen, ist „Tarifverhandlungen“ möglicherweise ein unbekannter Begriff. Aber es ist etwas, das den meisten Arbeitnehmern in Deutschland und jedem, der die Nachrichten rund um Streiks verfolgt, sei es im öffentlichen Verkehr oder in anderen Sektoren, sehr vertraut sein wird.
Unter Tarifverhandlungen versteht man den strukturierten Verhandlungsprozess, bei dem eine Gruppe von Arbeitnehmern, häufig vertreten durch eine Gewerkschaft oder einen Betriebsrat, mit ihrem Arbeitgeber über Löhne und andere Beschäftigungsbedingungen verhandelt.
Das Hauptziel besteht darin, einen Tarifvertrag zu erreichen, bei dem es sich um einen rechtsverbindlichen Vertrag handelt, der die Arbeitsbedingungen festlegt, einschließlich Bezahlung, Arbeitszeiten, Sozialleistungen und Arbeitsplatzregeln.
Dieser Prozess stellt sicher, dass die Standards für die Belegschaft gemeinsam festgelegt werden und nicht nur von Arbeitgebern oder dem Management.
Deutschland pflegt eine starke Tarifverhandlungstradition: Stand 2021 sind mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer im Land durch einen Tarifvertrag abgedeckt.
Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums wurden im Jahr 2024 mehr als 6.000 neue Tarifverträge registriert, von denen über 20,6 Millionen Arbeitnehmer profitierten.








